„Und diese hatte eine Schwester, welche Maria hieß. Sie setzte sich zu Jesu Füßen und hörte seinem Wort zu.“ (Lukas 10,39)
Eine Frau namens Martha nahm Jesus als Gast in ihr Haus auf. Sie gab sich viel Mühe, eine gute Gastgeberin zu sein und versorgte Jesus und die Jünger.
Während sie wahrscheinlich im Stress war und alles perfekt machen wollte, hätte sie die Hilfe ihrer Schwester sicher gut gebrauchen können.
Doch Maria ließ sich von dieser Hektik nicht anstecken. Sie setzte sich zu Jesu Füßen – und hörte zu.
Ganz ehrlich: Wer wäre nicht gerne an Marias Stelle?
Ja, es ist wichtig, Gäste gut zu bewirten und Gastfreundschaft zu üben. Und Jesus wusste das zu schätzen.
Aber stell dir vor, Jesus würde heute – vielleicht unangemeldet – mit seinen Jüngern zu dir nach Hause kommen. Wie viel Mühe würdest du dir geben? Und wie leicht würde man im Nachhinein erzählen: „Jesus war bei uns zu Besuch!“ – aber nichts von dem, was er gesagt hat, wirklich behalten.
Maria sah diesen Besuch anders. Für sie war es eine einmalige Gelegenheit: nicht das perfekte Essen vorzubereiten, sondern Jesu Worte aufzunehmen.
In seiner Nähe zu sein, seine Gegenwart zu genießen – für ein paar kostbare Stunden.
Martha dagegen ging zu Jesus – nicht zu Maria – und klagte: „Herr, kümmert es dich nicht, dass meine Schwester mich allein dienen lässt? Sag ihr, dass sie mir hilft.“
Doch Jesus antwortete sanft, aber klar:
„Martha, Martha, du machst dir Sorge und Unruhe um vieles; eines aber ist Not. Maria aber hat das gute Teil erwählt; das soll nicht von ihr genommen werden.“
Bemerkenswert ist, dass Martha scheinbar erwartete, Jesus würde ihrer Sicht zustimmen. Aber Jesus sah tiefer. Er sah die Herzen und die Motive.
Und er lobt Maria, nicht weil Dienst unwichtig wäre, sondern weil sie das Wesentliche erkannt hatte.
Auch ich kenne das – Sorgen, Unruhe, das Gefühl, alles sei wichtig. Doch die Ruhe zu Jesu Füßen ist unersetzlich. Seinem Wort zu lauschen ist Leben.
Und welch Gnade, dass wir das heute jederzeit tun können: Jesus lebt, und sein Wort ist lebendig. Ja, Papier und Tinte – aber erfüllt mit Gottes Geist.
Wir dürfen auch hier das „Martha- oder Maria-Prinzip“ anwenden:
Entweder wir setzen uns bewusst hin – ruhig, konzentriert – und hören beim Lesen auf Gottes Wort.
Oder wir versuchen es zwischendurch zu lesen, häppchenweise, zwischen Kochen, Waschen, Putzen und Terminen.
Es lohnt sich, Zeit zu nehmen und die Bibel wirklich zu öffnen. Sie verändert unser Denken – und damit unser Handeln. Sie macht uns innerlich still, klar und fest.
Gebet
Mein himmlischer Vater,
ich danke dir, dass du mich einlädst, zu Füßen deines Sohnes zu sitzen und seinen Worten zuzuhören. Herr, ich möchte in deinem Wort lesen – in Ruhe, aufmerksam und mit offenem Herzen.
Dein Wort hat Kraft, mein Leben zu verändern, meine Gedanken zu erneuern und mich zu einer Frau zu machen, die dir nahe ist.
Hilf mir, Prioritäten richtig zu setzen.
Zeige mir, wann es dran ist, wie Martha fleißig zu dienen – und wann es dran ist, wie Maria in die Ruhe zu gehen und Kraft bei dir zu holen.
Danke, dass du mein Vater bist.
Danke, dass du mich liebst – wenn ich eine Martha bin und auch wenn ich eine Maria bin.
In Jesu Namen. Amen.
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