Warum bin ich so, wie ich bin? Mit meinen Stärken und Schwächen.
Warum bin ich in dieser Familie geboren und nicht in einer anderen?
In diesem Land und nicht in einem anderen?
Zu dieser Zeit und nicht zu einer anderen?
Bin ich gewollt?
In den Schwierigkeiten meines Lebens und in den Fragen, warum das Leben manchmal so schwer ist, kam mir folgender Gedanke: Ich bin die Konsequenz zweier Menschen, die zusammenkamen, um mich zu zeugen.
Wo war Gott dabei?
War er da, als meine Gene gemischt wurden?
War er da, als der Samen auf das Ei traf und neues Leben entstand?
Hat Gott einen Fehler gemacht, dass ich so bin, wie ich bin?
Ich liebe meinen Gott.
Und genau deshalb habe ich mir darüber viele Gedanken gemacht, warum alles so ist, wie es ist.
Warum Menschen leiden, weil sie so kompliziert veranlagt sind, dies oder jenes geerbt haben.
Und ich fand scheinbar eine wirklich plausible Antwort.
Vielleicht war Gott nicht direkt beteiligt an meiner Entstehung.
Vielleicht hat er, als er den Menschen schuf, ein Muster festgelegt.
Mann und Frau kommen zusammen, jeder trägt Gene in sich von Eltern und Großeltern.
So kommen durch diese zwei Menschen Gene von acht verschiedenen Menschen zusammen – quasi in einen Topf – und daraus entsteht ein Ergebnis.
Und dieses Ergebnis bin ich.
Dieser Gedanke ging weiter.
Gott war dann gar nicht maßgeblich beteiligt, denn sonst würde er ja einiges von dem, was mich so leiden lässt, nicht zulassen.
Gleichzeitig ist er ein Gott, der alles in der Hand hat.
Also …
Hat er keine Fehler gemacht, sondern das, was schwierig ist, muss die Konsequenz der Sünde sein.
Menschen tun Schlechtes und geben es weiter.
Ich stelle es mir so vor: Wenn Gott einmal gesagt hat, das ist ein Apfelbaum, und aus seinem Kern wieder ein Apfelbaum entsteht, dann kümmert er sich doch nicht um jeden einzelnen Kern.
Er hat festgelegt, wie es funktioniert, und dann läuft es.
Natürlich mit Bienchen und Blümchen und so weiter, mit allem, was dazugehört.
Aber er kümmert sich ja nicht um jedes einzelne Bienchen, das jedes einzelne Blümchen bestäubt, und um jeden einzelnen Apfelkern, der irgendwo in die Erde fällt und aus dem dann wieder ein neuer Baum entsteht.
Also wird es beim Menschen ähnlich sein.
Gott hat gesagt: Wenn zwei zusammenkommen, entsteht auf diesem Weg neues Leben.
Das klang gut.
Es klang logisch, und ich merkte, wie ich mich mit diesem Gedanken abwandte.
Ich habe meinen Gott damit sogar ein Stück weit entschuldigt dafür, dass es Dinge in mir gibt, die mich leiden lassen.
Doch dieser Gedanke gab mir keinen Frieden.
Irgendwann wurde mir klar:
Ich hatte meinen Schöpfer auf mein eigenes Niveau heruntergezogen.
So würde ich vielleicht erschaffen.
Ich würde einen guten Anfang setzen und dann sagen: Jetzt vermehrt ihr euch, und der Rest läuft von selbst.
Aber Gott ist nicht wie ich.
Denn dann machte Gott mich durch eine Begebenheit auf folgenden Vers aufmerksam:
„Deine Augen sahen mich schon als ungeformten Keim, und in dein Buch waren geschrieben alle Tage, die noch werden sollten, als noch keiner von ihnen war.“ Psalm 139,16
Und noch ein Vers:
„Ehe ich dich im Mutterleib bildete, habe ich dich erkannt.“ Jeremia 1,5
Auf einmal wurde mir klar:
Gott wusste, dass es mich geben wird, lange bevor irgendjemand auf die Idee kam, ein Kind zu zeugen.
Im selben Psalm steht auch:
„Du hast meine Nieren gebildet, du hast mich gewoben im Schoß meiner Mutter.“ Psalm 139,13
Diese Erkenntnis traf mich.
Ich bin nicht einfach nur entstanden.
Ich bin nicht nur die Konsequenz zweier Menschen, nicht die Konsequenz einer geplanten oder ungeplanten Schwangerschaft, nicht die Konsequenz eines Genpools, nicht die Konsequenz der Umstände.
Ich bin gewollt von dem, der mir das Leben gegeben hat.
Natürlich trage ich die Gene meiner Eltern und Großeltern in mir. ( gute und schlechte)
Natürlich habe ich Prägungen, die mich beeinflussen.
Und manches davon bringt mich an meine Grenzen.
Aber sie sind nicht mein Schicksal.
Sie sind nicht das Siegel über meinem Leben.
Sie sind nicht das letzte Wort.
Das letzte Wort hat der, der mich gewollt hat.
Und natürlich hatte ich mit meiner Bienchen-und-Blümchen-und-Apfelkerntheorie auch Unrecht.
Gott hat alles im Blick – auch den Apfelkern, wo er hinfällt, und das Bienchen, auf welches Blümchen es sich setzt.
„Und warum seid ihr um Kleidung besorgt? Betrachtet die Lilien des Feldes, wie sie wachsen: Sie arbeiten nicht und spinnen nicht. Ich sage euch aber, dass auch Salomo in all seiner Herrlichkeit nicht gekleidet gewesen ist wie eine von ihnen.
Wenn nun Gott das Gras des Feldes so kleidet, das doch heute steht und morgen in den Ofen geworfen wird, wird er das nicht vielmehr euch tun, ihr Kleingläubigen?“ (Matthäus 6,28–30)
„Du lässt Gras wachsen für das Vieh und Pflanzen, dass sie dem Menschen dienen, damit er Brot hervorbringe aus der Erde.“ (Psalm 104,14)
So groß ist unser Gott.
Wenn ich versuche, ihn zu verstehen, versuche ich, ihn auf mein menschliches Niveau zu ziehen.
Das ehrt ihn nicht.
Ich vertraue ihm, ohne ihn zu verstehen – aus einer Gewissheit heraus, dass er weiß, was er tut.
Seine Gedanken sind mir zu hoch.
Das macht aber nichts.
Das schmälert mein Vertrauen nicht, sondern es vermehrt meine Ehrfurcht, meine Anbetung und mein Staunen über seine Größe, seine Allmacht und seine Anwesenheit – zu jeder Zeit, an jedem Ort.
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