Ich bin in eine Zeit gegangen, in der ich dachte, ich würde Heilung auf eine bestimmte Weise erleben – und habe dabei etwas viel Tieferes über Gott, meinen Körper und meinen Glauben gelernt, als ich je erwartet hätte.

Seit letztes Jahr März bin ich arbeitsunfähig. Am 10 Dezember 2025 fuhr ich für 6 Wochen in die Reha. Die Zeit dort war für mich sehr, sehr herausfordernd. Es war nicht aufbauend und heilend im eigentlichen Sinne, sondern körperlich war es für mich sehr, sehr herausfordernd und ich kam unglaublich an meine Grenzen. Mein Körper zeigte extreme Erschöpfungszustände mit verschiedenen anderen Symptomen auf nervlicher Ebene. Extreme Schlafstörungen und vieles kam dazu. Es fiel mir unglaublich schwer, dort zu sein, alle Termine einzuhalten, von einem Ort zum anderen zu laufen, mit sehr, sehr vielen Menschen im Speisesaal gemeinsam zu sein und vieles andere. Ich genoss jede freie Minute, in der ich alleine war.

Gegenüber der Klinik war eine evangelische Kirche. In ihr stand ein Flügel und den durfte ich spielen. Diese Kirche wurde mein Zufluchtsort. Beinahe jeden Tag ging ich dort hin, genoss die Stille, spielte den Flügel und irgendwann, als ich mutiger wurde, sang ich sogar dazu. Es war einfach wunderbar.

Jeden Morgen machte ich mich schick, schminkte mich und machte meine Haare schön. Das war mir wichtig. Das Problem war: Man sieht mir sowieso nicht an, wenn es mir schlecht geht. Und wenn man sich dann morgens so schick macht in einer Reha, in der Menschen mit wirklich schweren Krankheiten hinkommen, dann fällt man wohl auf. Das wurde mir erst später bewusst.

Zumindest nahm mein Psychologe, bei dem ich jede Woche eine 45-minütige Sitzung hatte, mich nicht ernst. Er gab mir Tipps, an denen ich deutlich merkte, dass er mich nicht wirklich verstand. Das machte mich traurig und sprachlos. Ich wehrte mich nicht dagegen.

Meine körperlichen Symptome wurden immer stärker, sodass ich kaum noch laufen konnte. Immer wieder ging ich zu meinem Arzt. Er dokumentierte alles und passte meine Maßnahmen an, sodass ich schließlich Sport mit Menschen machte, die nach einem Schlaganfall oder schweren Operationen dort waren. Doch selbst danach war ich so erschöpft, dass ich kaum laufen konnte. Ich fühlte mich sehr alleingelassen und mit diesen Symptomen nicht ernst genommen.

Gleichzeitig durfte ich in diesen Wochen Gottes Nähe so tief erleben. Ich hatte viel Zeit, in mein Workbook zu schreiben, Gottes Wort zu lesen und mit ihm zu sein. Ich war immer glücklich, wenn alle Therapien und Maßnahmen vorbei waren und ich wieder in meinem Zimmer war. Ich liebte den Ausblick aus meinem Fenster. Ich hatte ein riesiges Panoramafenster mit Blick auf die Berge. Es war wunderschön.

In der fünften Woche gab es einen Abend, an dem ich einfach nur traurig war über die ganze Situation. Ich hatte Angst wegen all der körperlichen Symptome und fühlte mich schwach, hilflos und verzweifelt. Im Gebet rang ich mit der Frage: Darf ich Gott überhaupt um körperliche Heilung bitten?

Mein Gebet war immer Heilung auf psychischer und geistlicher Ebene gewesen. Ich hatte viele Depressionen in der Vergangenheit erlebt, zum Teil sehr starke. Doch in der Reha fühlte ich mich nicht depressiv. Auch mein Arzt bestätigte mir nach den Gesprächen, dass er eigentlich keine Depression diagnostizieren könne. Und ich sagte ihm: So fühle ich mich auch. Ich weiß ja, was Depressionen sind.

So lag ich in meinem Bett, blickte an die hohe Decke meines wunderschönen Zimmers mit Panoramafenster und rang im Gebet mit Gott. Ich dachte darüber nach, in welchen Hinsichten Gott mich schon geheilt hatte. Er hatte mir eine Beziehung zu ihm geschenkt. Ich hatte meinen Gott endlich kennengelernt. Seit Jahren durfte ich wachsen in der Heiligung, im Glauben und in der Beziehung zu meinem Schöpfer und zu meinem Jesus, der mir das Leben geschenkt hat. Eigentlich hatte ich doch alles bekommen, worum ich gebeten hatte.

Um körperliche Heilung hatte ich nie gebetet, weil der Schmerz für mich immer eher auf psychischer und geistlicher Ebene lag.

Und irgendwann betete ich, während ich an die Decke starrte:

„Herr, mach mich gesund. Du kannst das. Ich bitte dich jetzt, mach mich gesund.“

Kurz danach schlief ich ein.

Am nächsten Morgen setzte ich mich direkt nach dem Aufwachen auf. Mein erster Gedanke war: Ich bin nicht gesund. Und irgendwo war da Enttäuschung. Ich wusste, dass Gott sofort gesund machen kann. Aber ich war nicht gesund.

Ich ging zum Frühstück. Viele Menschen, laute Geräusche, helles Licht. Meine Nerven waren aufs Äußerste angespannt. Mein Tinnitus war fürchterlich laut. Ich trug, wie fast jeden Tag, wieder Ohrenstöpsel.

Dann ging ich in die erste Gruppensitzung. Das Thema war Stress. Wir lernten viel darüber, wie das Gehirn auf Stress reagiert und was im Gehirn geschieht, wenn man über lange Zeit Stress erlebt – positiven wie negativen Stress.

Ich war mittlerweile so erschöpft. Ich lehnte meinen Kopf gegen die Säule neben meinem Stuhl und ließ alles nur noch über mich ergehen. Und plötzlich merkte ich wieder dieses Gefühl im Kopf. Mitten in das Gespräch der Therapeutin hinein sagte ich nur:

„Kann mir jemand schnell helfen, rauszugehen?“

Ich stand auf, rechts und links packten mich meine Sitznachbarn unter die Arme. Und ich sagte nur:

„Zu spät.“

Dann sackte ich zusammen.

Ich hatte erneut einen dissoziativen Krampfanfall – wieder vor den Augen vieler Menschen. Danach wurde mein Arzt gerufen und schließlich auch ein Krankenwagen. Ich wurde untersucht, durchgecheckt und später zurückgebracht.

Das Schwerste daran war für mich nicht einmal der körperliche Zusammenbruch, sondern die Enttäuschung und die Scham darüber, dass so viele Menschen es mitbekommen hatten.

An diesem Tag war ich so verzweifelt. So enttäuscht von Gott, der mein Gebet scheinbar nicht nur nicht erhört hatte, sondern meinen Körper wieder mit diesen heftigen Symptomen hatte reagieren lassen. Ich war fassungslos. Ich weinte viel und fragte Gott immer wieder: Warum? Ich habe dich doch gebeten, mich gesund zu machen.

Wenn ich heute darüber nachdenke, hätte ich vielleicht nicht „Warum?“ fragen sollen, sondern „Wozu?“. Denn das Wozu zeigte sich tatsächlich schon am nächsten Tag.

Ich musste wieder zu meinem Therapeuten. Doch dieses Gespräch war völlig anders. Plötzlich interessierten ihn meine Symptome. Plötzlich interessierte ihn, wie es mir wirklich ging. Und plötzlich begannen sich so viele Zahnräder meiner Geschichte zu bewegen. Türen wurden geöffnet und andere geschlossen.

Am Ende dieses Tages staunte ich einfach nur noch darüber, dass Gott gerade diesen Anfall benutzte, um mir einen Neuanfang zu schenken.

Gott ist gut. Alle Zeit.

In der Reha lernte ich, mit vielen meiner Symptome umzugehen. Ich lernte, wie ich meine Nerven entspannen kann. Ich lernte, auf meinen Körper zu achten, damit es gar nicht erst wieder zu solchen Anfällen kommt. Ich lernte, dass ich vor bestimmten Symptomen keine Angst mehr haben muss. Sie fühlen sich schlimm an, aber sie sind nicht gefährlich. Und ich lernte, was ich in solchen Situationen tun kann, damit es mir besser geht.

Dafür bin ich Gott unglaublich dankbar.

Mein Körper erholt sich nur sehr langsam. Aber der Sinn hinter all dem ist so groß. Gott ist so gut zu mir.

Es gibt immer noch Tage, an denen ich weine. Aber ich hadere nicht mehr mit Gott. Ich weine über die Dinge, die ich nicht mehr tun kann. Ich trauere ihnen hinterher, weil ich nicht weiß, ob ich sie jemals wieder tun werde.

Immer wieder komme ich an Punkte, an denen ich alles neu vor Gottes Thron bringen und loslassen muss. Und immer wieder schenkt Gott mir einen tiefen, übernatürlichen Frieden.

Wenn mich heute jemand fragt: „Wie geht es dir?“, dann sage ich oft: „Gut.“

Nicht, weil ich lüge oder mir etwas einrede. Sondern weil es stimmt. Mir geht es gut. Meine Seele ist geheilt. Mein Geist hat Frieden mit Gott und eine tiefe Beziehung zu ihm.

Und wenn jemand genauer nach meiner Gesundheit fragt, dann sage ich oft:

„Meiner Seele und meinem Geist geht es gut. Mein Körper hat es nur noch nicht ganz verstanden.“

Mein Körper, meine Hülle, mein Werkzeug, schränkt mich ein. Aber all diese Symptome schränken meinen Gott nicht ein. Kein Stück.

Seine Kraft ist in meiner Schwachheit groß. Denn gerade dann weiß ich, dass das, was ich tue, nicht meine Kraft ist, sondern seine.

Und ich würde diesen Weg wieder wählen, auch wenn ich noch nicht am Ende angekommen bin und nicht weiß, wie es weitergeht. Denn das, was ich dadurch gewonnen habe, möchte ich niemals wieder verlieren.

Dieses Vertrauen, dass Gott gut ist, hatte ich nicht, als es mir gut ging. Aber dieses Vertrauen, dass Gott gut ist, obwohl es mir scheinbar nicht gut geht, ist überwältigend.

Ich muss meinen Vater nicht verstehen. Das ist mir ohnehin zu hoch. Und ich glaube nicht, dass ich ihn ehre, wenn ich ihn auf mein Niveau herunterziehe, nur damit ich ihn verstehen kann.

Ich habe einmal den Satz gehört:

„Es ist nicht wichtig, dass du weißt, was Gott tut. Wichtiger ist, dass du weißt, wer Gott ist.“

Und genau darüber möchte ich in den nächsten Wochen schreiben. Über Heilung. Über das, was ich in der Bibel darüber lese und lerne.

Wenn du mich fragst, würde ich dir heute sagen:

Ich bin geheilt.

Mein Körper setzt mir noch Grenzen, ja. Aber ich bin nicht krank. Das, was mich wirklich ausmacht – meine Seele und mein Geist – sind gesund geworden.

Und ich staune darüber, wie Gott mich immer wieder an meinen Schreibtisch setzt, damit ich die Bibel studiere, meine Gedanken aufschreibe und tief eintauche in sein Wort.

Manchmal bin ich selbst überwältigt von den Texten, die dabei entstehen. Wenn ich sie später lese, frage ich mich manchmal: Habe ich das wirklich geschrieben?

Aber ich schreibe alle meine Texte zuerst mit der Hand. Und so kann ich nachlesen, dass ich es tatsächlich war.😉

Es ist so ergreifend, was Gott in meinem Leben tut.

Ob oder wann mein Körper geheilt wird, überlasse ich ihm. Mein größter Wunsch war es, Gott zu dienen, weil ich ihn liebe. Wenn er mich mit diesen Einschränkungen gebrauchen kann, um ihn zu verherrlichen, dann möchte ich so bleiben.

Ihn zu verherrlichen soll mein höchstes Ziel sein. Wenn er mir körperliche Gesundheit schenken will, kann er es jederzeit tun – das glaube ich zu 100 %.

Solange es nicht so ist, verherrliche ich ihn ebenso, wie ich bin und wie ich kann.