Ein letztes Mal. Es gibt Situationen in unserem Leben, die wir ein letztes Mal erleben, ohne es vorher zu wissen.
Dein Kind kommt ein letztes Mal nachts zu dir ans Bett und sagt: „Mama, ich kann nicht schlafen. Darf ich bei dir bleiben?“
Es fragt dich das letzte Mal: „Mama, kannst du mir die Schuhe zubinden?“
Es lässt sich das letzte Mal von seinem Freund abholen.
Das letzte Mal darf es nicht ohne dich ins Freibad.
Und plötzlich kann es das alles alleine.
Zuerst merkst du es oft erst eine ganze Weile danach, und dich erfüllt Stolz.
Ein Lächeln huscht über dein Gesicht:
Mein Kind wird groß. Es wird selbstständig.
Wieder eine Zeit später mischt sich diese Freude mit etwas Wehmut:
Mein Kind wird groß. Es braucht mich nicht mehr so oft.
Und irgendwann mischen sich Sehnsucht und Traurigkeit in diese Gedanken.
Wie schön war das, als es mich noch brauchte.
Wann war das letzte Mal?
Wann habe ich ihm das letzte Mal die Schuhe zugebunden?
Wann ist es das letzte Mal nachts an mein Bett gekommen?
Wann habe ich es das letzte Mal vom Freund abgeholt?
Das ist der Lauf der Dinge, normalerweise.
Wenn wir daran denken, ist der Schmerz nur kurz, weil die Freude darüber, dass sich das Kind gesund entwickelt und sich abnabelt, größer ist.
Denn das ist der gute, gesunde Lauf der Zeit.
Aber es gibt auch ein anderes „letztes Mal“.
Und auch darauf ist man oft nicht vorbereitet.
Ein letztes Mal einen geliebten Menschen im Arm gehalten.
Ein letztes Gespräch.
Ein letzter Kuss.
Eine letzte Umarmung.
Und plötzlich kann es vorbei sein.
Zurück bleibt Wehmut und der Gedanke an jedes letzte Wort, an jede letzte Berührung, an jede letzte gemeinsame Aktivität.
Der Schmerz sitzt tief und ist unerträglich.
Und dann gibt es noch dieses letzte Mal, das sich eigentlich schon lange ankündigt und manchmal sehr offensichtlich ist.
Doch unser Herz kann es nicht fassen.
So muss es den Jüngern von Jesus ergangen sein.
Jesus kündigte seinen Tod an, aber auch seine Auferstehung.
Doch sie konnten es nicht fassen.
Sie konnten sich nicht vorstellen, dass ihr Meister gehen würde.
Dass er, der andere zum Leben erweckte, sterben sollte.
Und dann wurde er getötet.
Ihre Trauer war keine Trauer der Hoffnung auf ein Wiedersehen, sondern der Schmerz eines Abschieds für immer.
Doch Jesus ist nicht im Grab geblieben.
Er ist auferstanden.
Wie anders muss danach jeder einzelne Augenblick gewesen sein, den sie nun mit ihm verbracht haben.
Und wie anders muss später der Schmerz gewesen sein, als er wieder gegangen ist.
Denn diesmal glaubten sie ihm, dass diese Trennung nicht für immer ist.
Dieser Trennungsschmerz war nun gepaart mit der festen Zuversicht auf ein Wiedersehen.
Die Gewissheit auf ein Wiedersehen lässt den Schmerz erträglicher werden.
Die Sehnsucht nach den Menschen die uns vorausgegangen sind bleibt, aber auch die Hoffnung auf ein Wiedersehen bleibt – und die Gewissheit, dass diejenigen, die in Christus gestorben sind, wieder auferstehen werden.
Für die, die in Christus sind, ist ein Abschied nie endgültig.
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