Zeugnis von Vera K.

"Gottverlassen"

Im Oktober 2021 hatte ich eine einschneidende Zeit, die zu meiner eigenen Zeitrechnung geworden ist – die Zeit vor und nach Corona. Ich hatte eine schwere Corona-Infektion.

Die zwei Jahre davor waren für mich sehr herausfordernd, eine sehr intensive Zeit.

Anfang 2019 war eine schwere Identitätskrise mit einer schweren Depression der Anfang. Ich klammerte mich an Gottes Wort und ging in die Seelsorge.

Ich verstand die Welt nicht mehr. Ich wusste nicht mehr, wo rechts oder links war.

Ich wusste nur eines: So, wie ich Gott kannte, wie ich geprägt wurde, zerstörte mich, versklavte mich und brachte mich um den Verstand.

Ich fing an, täglich stundenlang die Bibel zu lesen.

So viele Lügen über Gott und über mich selbst waren fest verankert und beherrschten mich.

Ich verzweifelte so sehr und war in der Depression so verwirrt, dass ich am liebsten meinen Kopf gegen die Wand geschlagen hätte. Ich konnte kaum klar denken.

Die Gedanken rasten, und Bilder sprangen in meinem Kopf von einem zum anderen.

Mein Kopf war so laut.

Gott hat mir eine geduldige Seelsorgerin geschenkt, die mir immer wieder sagte:

„Vera, geh dich im Wort Gottes baden. Geh lesen.“

Seitdem liebe ich den Vers aus dem Epheserbrief 5,26:

„… damit er sie heilige, nachdem er sie gereinigt hat durch das Wasserbad im Wort.“

Es hat Monate gedauert, bis ich ruhiger lesen konnte und so viel entdeckte, das mir falsch und aus dem Zusammenhang gerissen beigebracht worden war.

Ich fing an zu erkennen, dass die Bibel kein Folterwerkzeug ist, sondern Gottes offenbartes Wort, das mich zu Frieden, Ruhe, Freude und Freiheit in Christus führen möchte – und dass Zurechtweisung und Buße anders sind, als ich es bisher geglaubt hatte.

Meine Seelsorgerin ging später in die Mission und vermittelte mich an eine andere Seelsorgerin.

Mit beiden habe ich bis heute sehr guten Kontakt und Austausch.

So kam ich in meinem Inneren – zwar langsam (Betonung auf langsam) – immer mehr zur Erkenntnis der Wahrheit, aber gleichzeitig auch zur Erkenntnis von Unstimmigkeiten im Zusammenhang mit Gottes Wort und gewissen theologischen Lehren, denen ich ausgesetzt war.

Zuerst versuchte ich, darauf hinzuweisen. Doch am Ende brach alles zusammen.

Wie gesagt, ich wurde krank, und gleichzeitig ging alle Hoffnung verloren, dass sich in Bezug auf die Gemeinde, deren Mitglieder wir damals waren, etwas ändern würde. Es war die Gemeinde, in der ich geboren wurde – mein Zuhause. Ich liebte sie sehr.

Gleichzeitig mit Corona bekam ich eine Depression, wie ich sie noch nie zuvor erlebt hatte.

Ich gab auf. Nichts ging mehr.

Ich konnte nicht essen, weil ich kaum schlucken konnte.

Ich schlief viel – die ersten zwölf Tage während Corona sowieso, aber auch viele Wochen danach.

Und dann kamen die Panikattacken und die Angst dazu.

Wer das nicht selbst erlebt hat, kann sich nicht ansatzweise vorstellen, was das für ein Gefühl ist. Und zwischen den Ängsten: die Angst vor der Angst. Grauenvoll.

Doch meine Panikattacken hatten einen Namen, eine Ursache.

Meine Gedanken und meine Angst waren: Gott hat mich verlassen.

Ich erkläre dir, wie es dazu kam:

In dieser schweren Depression, als ich komplett kapitulierte und keinen klaren Gedanken – geschweige denn Entscheidungen – treffen konnte, war klar: Wir mussten die Gemeinde verlassen, wie viele Familien vor uns auch.

Da uns aber immer vermittelt wurde, dass man in dieser Gemeinde gerettet wird und in bestimmten anderen Gemeinden verloren geht, dachte ich, wir wären jetzt verloren.

Ich wollte das nicht denken – aber es dachte mich.

Es beherrschte mich.

Denn Gott war nicht mehr da. Zumindest fühlte es sich für mich so an.

Dieses Gefühl, Gott hätte mich verlassen, war das Schlimmste, was ich je in meinem Leben erlebt habe.

Dieser innere Schmerz ist wirklich herzzerreißend.

Es ist derselbe Schmerz, den ich gefühlt habe, als eine Person, die ich sehr liebte, gestorben ist.

Wenn ich diesen Schmerz als so fürchterlich und hoffnungslos empfunden habe – wie muss es Jesus erst ergangen sein?

Das war die schlimmste Angst, die ich kenne: Gott verloren zu haben.

Und Jesus? Sein Schmerz ist kaum in Worte zu fassen.

Verraten von seinen Jüngern, verlassen, verleugnet, vom Volk dem Tod ausgeliefert, durch falsche Zeugen verurteilt, verspottet, geschlagen und auf die unwürdigste Weise wie ein Schwerverbrecher gekreuzigt.

Seine Mutter stand unter dem Kreuz.

Und zuletzt – so hat er es selbst ausgerufen – war da diese Erfahrung der Verlassenheit.

„Mein Gott, mein Gott. Warum hast du mich verlassen?“

Und doch ist hier ein entscheidender Unterschied:

Jesus wurde nicht nur gefühlt verlassen – er hat die Gottverlassenheit wirklich getragen.

Damit ich sie nie endgültig tragen muss.

Mein Weg aus der Depression war sehr lang.

Meine Seelsorgerin sagte mir letztens, dass es sehr herausfordernd mit mir war, weil ich so vielen Lügen geglaubt habe.

Ja, das kann ich bestätigen.

Doch Gott ist größer.

Er kann jede Lüge aufdecken, zerstören und durch die Wahrheit ersetzen.

Damals fing ich an, gute Bücher zu lesen, die mir sehr geholfen haben.

Ein Satz aus einem Buch ist mir besonders hängen geblieben:

Ich bin kein depressiver Christ – ich bin ein Christ mit Depressionen.

Das hat mir geholfen, meine Identität in Christus von dieser Krankheit zu trennen.

Später las ich etwas, das ich genauso unterschreiben kann:

Ein Christ, der an Depressionen leidet, leidet oft noch tiefer, weil er das Gefühl hat, Gott hätte ihn verlassen.

So habe ich es auch erlebt – und das wünsche ich niemandem.

Heute weiß ich:

Er hat mich nie verlassen und wird mich auch nie verlassen.

Denn er hat es versprochen.

Ich lerne immer mehr Wahrheiten über mich und meinen Gott.

Es ist ein Prozess – ein fortwährender Prozess.

In den letzten Jahren durfte ich ein zweijähriges Bibeltraining machen, verschiedene Seelsorgekurse besuchen und mich durch wertvolle Bücher weiterbilden, um das „Leben zu lernen“.

Das wertvollste Buch aber ist und bleibt die Bibel.

Ich habe so oft erlebt:

Entweder ich gehe jetzt die Bibel lesen – oder ich drehe durch.

Nicola Vollkommer sagte einmal:

„Wenn es dir schlecht geht, lies die Bibel.

Wenn das, was du liest, scheinbar nicht zu deiner Situation passt – lies trotzdem!

Denn wenn du Gottes Wort liest, geht es um IHN, nicht um dich.“

So erlebe ich es auch.

Wenn ich sein Wort lese, empfinde ich es wie eine heilige „Gehirnwäsche“.

Meine Gedanken werden erneuert und mein Fokus von mir und meinem Leid auf meinen Heiland gelenkt.

Das ist ein kleiner, nicht vollständiger Ausschnitt aus meinem Leben.

Ich wünsche mir, dass er dir Hoffnung macht.

Wenn du ähnliches erlebst, bist du nicht allein.

Wenn du es so noch nicht erlebt hast, wünsche ich mir, dass du dadurch sensibel wirst für die, die so leiden.

Wenn dir jemand sagt:

„Gott hat mich verlassen“,

dann widersprich nicht vorschnell. Denn menschliche Weisheit nützt hier wenig.

Kein Wort von uns kann wirklich trösten – nur Gottes Wort kann trösten.

Bibelverse, die bezeugen, dass Gott treu ist und niemals verlässt, bringen echten Trost.

Nur die Wahrheit aus Gottes Wort kann hier tragen.

Gott segne dich.

„Der HERR ist nahe denen, die zerbrochenen Herzens sind,

und er hilft denen, die zerschlagenen Geistes sind.“

(Psalm 34,19)

Erstelle deine eigene Website mit Webador