Wie ich bereits erwähnte, bin ich richtig gut im Sorgen. Schade nur, dass es dafür keine Ehrenmedaille gibt, denn die könnte ich dann ohne große Mühe sammeln. Doch Gott geht mit mir durch seine Schule der Gnade und zeigt mir immer wieder, dass er mein Versorger ist – nicht nur in Bezug auf das Materielle, sondern auch in Bezug auf alle meine Sorgen.
Der Bibelvers aus Prediger 11,10 ist mir einmal in einer Situation, in der ich Gott meine Sorgen geklagt habe, zum Augenöffner geworden und hat mir Trost und Frieden geschenkt. Dort steht:
„Entferne den Unmut aus deinem Herzen und halte das Übel von deinem Leib fern; denn Jugend und dunkles Haar sind nichtig.“
Vor einigen Jahren stand mir eine Veränderung in meinem familiären Umfeld bevor. Es ging um Loslassen und Ziehenlassen. Äußerlich ließ ich mir nichts anmerken, aber mein Herz weinte bitterlich. In solchen Momenten suche ich die Stille mit meinem Gott. Ich fahre dann in den Wald und mache einen Gebetsspaziergang. Meine kleine Fahrradbibel habe ich dabei – so nenne ich sie, weil sie in meinem Fahrradkorb liegt.
Dort klagte ich Gott meine Sorgen und bat ihn um seinen Frieden. Als ich im Prediger las, blieb ich an diesem Vers hängen. Immer wieder las ich ihn, und er wurde mir wie eine persönliche Aufforderung. In meinem Herzen war Unmut, und das Übel war die Sorge: Was, wenn? Wie wird es sein?
Im Gebet schenkte Gott mir echten Frieden. Ich konnte loslassen, ihm alles abgeben und mit Zuversicht in diese neue Situation gehen – weil Gott das Ruder in seiner Hand hält. Er hält es sowieso, ob ich mich sorge oder nicht. Dann ist Loslassen die bessere Wahl.
Zwei Jahre später änderte sich dieselbe familiäre Situation plötzlich. Ich bekam die Nachricht – und mein Herz weinte wieder, aber vor Freude. Ich schlug meine Bibel auf und sah das Datum, das ich damals neben den Vers geschrieben hatte. Es waren bis auf einen Tag genau zwei Jahre vergangen.
Als ich es erzählte, sagte die Person: „Ich habe nicht gemerkt, wie schwer dir das gefallen ist. Danke, dass du es mir nicht gezeigt hast. Mir fiel die Situation auch schwer – und es wäre noch schwerer gewesen, wenn du traurig gewesen wärst.“
Diesen Dank konnte ich an meinen himmlischen Vater weitergeben. Ich dankte ihm von Herzen, dass er mir geholfen hat, wirklich loszulassen – ohne den Hintergedanken, dass sich meine Wünsche vielleicht doch noch erfüllen könnten. Und er hat es besser gemacht, als ich es je hätte planen können.
Gerade wenn wir sehr beziehungsorientiert sind und uns nach Harmonie sehnen, kann uns das in Zeiten von Veränderung stark belasten. Doch darin liegt auch eine Einladung:
Du hast einen Gott, der Beziehung mit dir leben möchte.
Er wartet auf dich.
Er hört dir zu.
Er ist bereit.
Gib ihm deine Sorgen ab. Halte sie nicht fest.
Er weiß, was gut ist – und er sorgt besser, als wir es je könnten.
Pflege diese Beziehung, denn sie ist die wichtigste überhaupt.
Gebet
Mein himmlischer Vater,
du bist mein Versorger.
Herr, ich bringe dir meine Sorgen. Du siehst, was mich zurzeit quält, was mich immer wieder einholt und was gerade so akut ist. Ich möchte dir das Ruder darüber überlassen.
Ich möchte mich in dir freuen und meinen Fokus auf dich richten – auf die Beziehung mit dir. Ich möchte nicht an meinen Sorgen festhängen und mich nicht von ihnen bestimmen lassen. Ich selbst kann es nicht ändern. Aber wenn es in deinen Händen liegt, darf ich darauf vertrauen, dass du es gut machst – anders, als ich es mir vorstelle, aber besser.
Und wenn es Zeit braucht, bis eine Lösung kommt, oder wenn ich mit dieser Sorge leben muss, dann bitte ich dich: Gib mir jeden Tag neu die Kraft, sie bei dir zu lassen. Hilf mir, die Last nicht wieder an mich zu ziehen.
Schenke mir Gnade, mich um die Dinge des Lebens zu kümmern, ohne unter ihrer Last zu zerbrechen.
Danke, dass du mich liebst und dass du mir helfen möchtest.
Ich liebe dich, mein Vater.
In Jesu Namen, Amen.
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