Viele Christen im schwersten Leid fühlen sich Gott so nahe wie nie zuvor im Leben und verspüren einen übernatürlichen Frieden. Doch das ist nur die eine Seite der Medaille. Es gibt auch noch die andere:
Krankheit und Anfechtungen können einen so sehr auszehren, erschöpfen und auslaugen, dass man in eine Depression fällt und das Nervensystem dermaßen überlastet ist, dass man am Leben und Glauben verzweifelt – im schlimmsten Fall sogar an Gott zweifelt.
Und ich weiß, dass es Zeiten im Leben gibt, da kann man nicht mehr hoffen und glauben. Da muss man darauf vertrauen, was Jesus in Johannes 10,28–29 gesagt hat:
„Und ich gebe ihnen ewiges Leben, und sie werden in Ewigkeit nicht verloren gehen, und niemand wird sie aus meiner Hand reißen. Mein Vater, der sie mir gegeben hat, ist größer als alle, und niemand kann sie aus der Hand meines Vaters reißen.“
Niemand – auch du selbst nicht – kann dich aus seiner Hand reißen.
Krankheit muss kein Mangel an Glauben sein und sagt nichts darüber aus, ob du ein Kind Gottes bist oder nicht.
Ich habe mit einer Frau gesprochen, die eine brennende Christin war und sehr viel im Reich Gottes bewegt hat. Sie war mir ein Vorbild im Glauben.
Nach jahrelangem Krebsleiden sagte sie kurz vor ihrem Tod: „Ich leide so sehr und Gott fühlt sich so weit weg an.“ Ich war erschüttert von dieser Aussage. Nie hätte ich gedacht, dass eine so standhafte Christin kurz vor ihrem Tod solche Gefühle erleben würde.
Doch Glaube ist kein Gefühl. Gott ist uns nicht so nah oder so fern, wie wir ihn fühlen.
Glaub mir: Wenn Gott mit mir meine Gefühlsachterbahn fahren würde, hätte ich keinen Halt. Gott ist treu und konstant. Das ist die einzige Hoffnung – dass er zu seinem Wort steht, auch wenn ich heute hü und morgen hot sage. Welch ein Trost.
Aber wir können den Lügen des Teufels unterliegen oder uns durch sie verunsichern lassen.
Lügen lassen sich nämlich so gut mit unseren Gefühlen verbinden, dass wir sie glauben.
Es kostet keine Anstrengung, diese Lügen zu glauben – aber eine wahnsinnige Anstrengung, aus ihnen wieder herauszukommen.
- Korinther 4,8–9
„Wir werden überall bedrängt, aber nicht erdrückt. Wir kommen in Verlegenheit, aber nicht in Verzweiflung. Wir werden verfolgt, aber nicht verlassen. Wir werden niedergeworfen, aber wir kommen nicht um.“
Geistliche Standhaftigkeit bedeutet, unter Druck nicht zusammenzubrechen, im Sturm standzuhalten, Zuflucht bei Gott zu finden, nach Erschöpfung oder einem Fall wieder aufzustehen und auch in Belastungen bewahrt zu werden.
Nicht vor Belastungen bewahrt zu werden, sondern in Belastungen.
Diese Standhaftigkeit im Glauben wächst aus der Hoffnung, dass uns nichts von der Liebe Gottes scheiden kann. Diese Hoffnung schenkt uns inneren Halt – unabhängig von den Umständen.
Geistliche Standhaftigkeit fühlt sich nicht immer so an, als wären wir unumstößlich oder unantastbar. Wir fallen, aber wir dürfen wieder aufstehen.
Und wenn du keine Kraft zum Aufstehen hast, dann lass dich weiter fallen – in seine treuen Hände.
In Jesaja 41,10 sagt Gott:
„Fürchte dich nicht, denn ich bin mit dir. Weiche nicht, denn ich bin dein Gott. Ich stärke dich, ich helfe dir auch, ich halte dich durch die rechte Hand meiner Gerechtigkeit.“
Das ist wahrer Halt im Glauben: Wenn ich nicht kann, er kann immer.
Allen, die gerade eine existenzielle Krise haben, möchte ich etwas vorlesen, das mir selbst viel Trost gespendet hat.
Keine leeren Worte, sondern Worte Gottes zu seinem Volk, die du heilsgeschichtlich auf dich anwenden darfst:
Jesaja 43,1–3:
„Fürchte dich nicht, denn ich habe dich erlöst. Ich habe dich bei deinem Namen gerufen, du bist mein. Wenn du durchs Wasser gehst, so will ich bei dir sein. Und wenn du durch Ströme gehst, so sollen sie dich nicht ersäufen. Wenn du durchs Feuer gehst, sollst du nicht versengt werden, und die Flamme soll dich nicht verbrennen. Denn ich bin der Herr, dein Gott, der Heilige Israels, dein Erretter.“
Am Ende bleibt nicht unsere Kraft, sondern seine.
Nicht unser Festhalten an Gott trägt uns, sondern sein Festhalten an uns.
Gebet
Mein himmlischer Vater, ich bitte dich für die Menschen in meinem Umfeld, die krank sind. Viele haben einen schweren Weg hinter sich, aber auch vor sich. Bitte, Vater, lass sie sich daran festhalten, dass du sie nie loslässt.
Herr, wenn sie sich nicht mehr halten können, dann erinnere sie daran, dass sie in deinen Händen ruhen.
Du bist treu und konstant. Das ist unsere Hoffnung.
Stärke sie, tröste sie und schenke ihnen Linderung oder Heilung.
Schenke uns Standhaftigkeit. Offenbare die Lügen des Teufels, denen wir glauben.
Lass uns fest im Glauben stehen, dass wir uns nicht erschüttern oder verunsichern lassen. Schütze unsere Herzen. Bitte mach uns unsere Identität in dir jeden Tag aufs Neue bewusst.
Danke für deine Zusage. Danke für Jesu Opfertod, damit wir ewig leben dürfen.
In Jesu Namen. Amen.
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