„Wer auf den Wind achtet, der sät nicht, und wer auf die Wolken sieht, der erntet nicht.“ (Prediger 11,4)
Dieser Vers ist mir zu einer Zeit, da ich eine Entscheidung mit weitreichenden Folgen treffen musste, eine Hilfe gewesen. Nicht, weil er einen Rat gibt. Im Gegenteil, ich finde, dieser Vers gibt keinen Rat, sondern beschreibt einen Zustand der Unsicherheit und Zögerlichkeit.
Ja, tatsächlich gibt es Situationen in unserem Leben, die uns eine rasche Entscheidung abverlangen, denn die Zeit zum Säen oder zum Ernten ist begrenzt. Wer unsicher ist, sät zu früh oder zu spät und erntet zu früh oder zu spät. Das kann dann zur Folge haben, dass die Ernte unreif, überreif oder nach der Einlagerung verkommen kann.
Nun sind die meisten von uns keine Landwirte. Was also könnte dieser Vers uns heute sagen?
Ich glaube, dieser Vers ist nicht als Tipp für den richtigen Zeitpunkt der Ernte gedacht, sondern er spiegelt das Wesen der Menschen wider.
In meinem Fall war es so, dass ich diese wichtige Entscheidung immer wieder hinausgezögert habe mit den Argumenten: noch nicht, weil … und jetzt nicht mehr, denn … und immer wieder die gleichen Ausreden. Nie schien es den passenden Augenblick zu geben.
Doch war es wirklich so? Gab es diesen Augenblick nicht?
Ich finde, dieser Vers passt sehr gut zum Thema Sorgen, denn wer auf den Wind achtet, sät nicht. Der Wind würde den Samen bei der Aussaat wegwehen. Wer auf die Wolken sieht, erntet nicht. Die Ernte feucht einzulagern würde die Ernte vernichten.
Sorgen können lähmen. Sorgen können uns so sehr beschäftigen, dass sie immer größer werden und die Situation immer bedrohlicher.
Kennst du den Begriff „Worst-Case-Szenario“? Im Deutschen heißt es so viel wie der schlimmstmögliche Fall oder das schlimmste Erlebnis, das man sich in einer Situation vorstellt.
Diese Gedanken blockieren uns dann so sehr, dass wir keine vernünftigen oder endgültigen Entscheidungen treffen können. Und sie fühlen sich so real an.
Meine Entscheidung war damals, als ich diesen Vers fand: Ich mache das jetzt einfach. Und es gibt hier keinen richtigen oder falschen Zeitpunkt. Zumal das eine Entscheidung war, die nicht gegen Gottes moralischen Willen für mich verstieß. Eine Entscheidung, bei der es kein Falsch oder Richtig im eigentlichen Sinne gab.
Manchmal nehmen wir Gott nämlich als Vorwand für unsere Unsicherheit.
Ich glaube, dass er manchmal müde ist von unseren Gebeten, die sich so anhören: „Herr, wenn ich das wirklich tun soll, dann mach dies oder das, damit ich mir sicher bin.“ Wir legen sozusagen das Vlies immer wieder neu aus, wie Gideon es tat (Richter 6,36–40).
Wo ist unser Vertrauen in Gott, der alles im Blick hat?
Prüfe deine Entscheidungen, wenn du dir Sorgen machst, anhand der Bibel.
Erstens: Sündigst du, wenn du dich dafür oder dagegen entscheidest?
Und zweitens: Sagt das Wort Gottes speziell zu deiner Frage, zu deiner Sorge etwas?
Du kannst den Willen Gottes für dein Leben nachlesen. Such doch mal nach dem Begriff „der Wille Gottes für mich“ in deiner Bibel App.
Und wie ich schon in der Andacht „Auf dem Berg wird der Herr dafür sorgen“ geschrieben habe: Manchmal musst du losgehen im Vertrauen, dass Gott mit dir geht, weil du nicht gegen seinen allgemeinen moralischen Willen verstößt und seine Tochter bist.
Der Vers, der danach steht, sagt:
„Gleichwie du nicht weißt, welches der Weg des Windes ist, noch wie die Gebeine im Mutterleib der Schwangeren bereitet werden, so kennst du auch das Werk Gottes nicht, der alles wirkt.“ (Prediger 11,5)
Gott wirkt alles. Du musst ihn nicht verstehen. Mit deinem Vertrauen ehrst du ihn.
Tue das, was du tust, im Vertrauen auf ihn. Darauf, dass er dich aufhalten kann wie Bileam, wenn du gegen seinen Willen gehst (4. Mose 22), oder dir Türen öffnet wie Abraham, der auf den Berg ging, um seinen Sohn zu opfern (1. Mose 22,14).
Der folgende Vers schließt das Ganze ab und nimmt mir persönlich viel Druck:
„Am Morgen säe deinen Samen, und am Abend lass deine Hand nicht ruhen; denn du weißt nicht, was geraten wird, ob dieses oder jenes, oder ob beides zugleich gut geraten wird.“ (Prediger 11,6)
In diesem Sinne: Sei gesegnet.
Gebet
Mein himmlischer Vater, ich danke dir, dass du dich um mich sorgst. Ich danke dir, dass du deinen Willen in deinem Wort offenbart hast. Ich danke dir, dass du mich als einen Menschen geschaffen hast, der Verantwortung tragen und Entscheidungen treffen darf, und dass ich darauf vertrauen darf, dass du mit mir gehst, mich führst, mich korrigierst und mich bewahrst.
Danke dir, mein Vater, dass dein Heiliger Geist in mir lebt, der mich leitet in alle Wahrheit, der mich tröstet und der mir hilft, dein Wort zu verstehen, ja, und der mir auch zeigt, was falsch und was richtig ist. Danke, dass dieser Geist auch mein Gewissen sensibel macht.
Ich bitte dich, dass du mir Gnade schenkst und mich erkennen lässt, wo ich mich selber durch falsche Unsicherheiten und durch zu wenig Vertrauen und Glauben blockiere, statt weiterzugehen. Zeige mir, wo ich dir mehr vertrauen kann, damit dein Werk auch in meinem Leben wachsen kann und ich mir nicht selber im Weg stehe.
Und bewahre mich davor, Entscheidungen zu treffen, die mir oder anderen schaden könnten, und schenke mir Weisheit und Klarheit in allen Dingen.
Ich danke dir für deine Liebe und ich danke dir für die Freiheit, die du mir schenkst, aber auch für dein Angebot, dass ich zu dir kommen darf mit allen meinen Sorgen.
Danke für deine Liebe, mein Vater.
In Jesu Namen. Amen.
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