Die Heilung eines Aussätzigen nach Matthäus 8, Verse 1–4 Das Evangelium nach Matthäus berichtet in Kapitel 4, Verse 23–25, dass Jesus viele Kranke geheilt hatte. Danach stieg er auf einen Berg, weil ihm eine große Menschenmenge nachfolgte, und hielt dort eine lange Rede, die wir heute die Bergpredigt nennen.
Als Jesus dann vom Berg herabstieg, folgte ihm eine große Volksmenge nach. Da kam ein Aussätziger auf ihn zu, fiel vor ihm nieder und sprach:
„Herr, wenn du willst, kannst du mich reinigen.“
Jesus streckte die Hand aus, rührte ihn an und sprach:
„Ich will; sei gereinigt!“
Und sogleich wurde er von seinem Aussatz rein.
Um die Not dieses Mannes besser verstehen zu können, möchte ich kurz darauf eingehen, welche Krankheit dieser Mann gehabt haben könnte und was es für ihn bedeutete, mit dieser Krankheit zu leben.
Das Wort Aussatz benutzt die Bibel oft als einen Sammelbegriff für verschiedene Hautkrankheiten. Häufig wird damit Lepra gemeint, aber es könnten auch andere Hautkrankheiten gewesen sein, zum Beispiel Pilzerkrankungen, Ekzeme oder Schuppenflechte.
Aussatz galt normalerweise als unheilbar. Betroffene lebten jahrelang krank, gesellschaftlich ausgeschlossen, verloren Familie, Arbeit und Gemeinschaft und hatten oft bleibende Schäden. Deshalb war Aussatz sehr gefürchtet.
Gott gab in 3. Mose Kapitel 13 und 14 genaue Anweisungen, wie und von wem Hautveränderungen untersucht werden sollten, wann jemand als unrein galt, wann Isolation nötig war und wer und wie die Reinheit feststellen durfte.
Betroffene Menschen mussten also von der Gemeinschaft getrennt werden, teilweise bei verschiedenen Hautkrankheiten vom Tempeldienst ausgeschlossen werden und vor allem mussten sie Abstand von anderen Menschen halten.
In 3. Mose 13,45–46 lesen wir: „Der Aussätzige aber, an dem das Mal ist, soll zerrissene Kleider tragen, das Haar ungepflegt lassen und den Bart verhüllen und ausrufen: Unrein, unrein! … außerhalb des Lagers soll seine Wohnung sein.“
So viel zum Hintergrund des Aussatzes.
Als ich diese Regeln über den Aussatz recherchierte, fühlte ich mich beklommen und entsetzt über die Folgen dieser Krankheit für die Menschen damals und zugleich sehr dankbar, dass uns heute Hautkrankheiten nicht mehr von anderen trennen – von Familie, Freunden oder Gemeinde. Denn heute gibt es sogar gegen Lepra Medikamente.
Trotzdem finde ich diesen Hintergrund wichtig, denn er zeigt auf, dass dieser Mann ganzheitlich fürchterlich gelitten haben muss. Nicht nur an den Symptomen seiner Krankheit, sondern vor allem an dem, was Aussatz mit sich brachte: ausgeschlossen von der Gesellschaft, wohnen außerhalb, ungepflegtes Erscheinungsbild und zu alledem auch noch „Unrein!“ rufen – von den Schmerzen ganz zu schweigen.
Welcher Schmerz war wohl größer – der seelische oder der körperliche?
Lasst uns gemeinsam in den Text eintauchen und schauen, was dieser uns sagt.
Der Aussätzige kam und fiel vor Jesus nieder. Statt „Unrein, unrein!“ zu rufen, sprach er:
„Herr, wenn du willst, kannst du mich reinigen.“
Und dann geschieht etwas Unfassbares.
Die Menschen, die mit Jesus vom Berg herunterkamen, müssen die Luft angehalten haben.
Jesus streckte die Hand aus und rührte ihn an.
Wie lange hat niemand diesen Mann mehr angerührt? Der Text sagt es uns nicht. Wir wissen nicht, wie lange er krank war.
Berührung ist ein menschliches Bedürfnis. Wir brauchen sie. Selbst ein Händedruck zur Begrüßung zählt dazu. Eine Umarmung, ein Tätscheln – das ist wie ein Lebenselixier für einsame Menschen.
Ich habe einige Jahre mit Senioren gearbeitet. Viele waren wirklich einsam. Wenn ich meine Hand zur Begrüßung gab, hielten sie diese oft mit beiden Händen eine Weile fest.
Hier sehen wir Jesus. Er berührt diesen Mann, der nach dem Gesetz Moses ungepflegt, mit zerrissenen Kleidern und voller Aussatz auf Jesus zukam.
Jesus sprach: „Ich will; sei gereinigt!“
Dann steht da ein Wort, das ich in meiner Bibel immer besonders einkreise:
Sogleich!
Sogleich wurde er von seinem Aussatz rein.
Fast immer steht dieses Wort „sogleich“, wenn Jesus heilte.
Jesus hat Vollmacht. Er hätte dem Aussätzigen auch sagen können:
„Geh zu deiner Familie. Du bist jetzt rein. Erzähle ihnen, dass du rein bist, dann werden sie es dir glauben.“
Doch das tut Jesus nicht. Er erkennt das mosaische Gesetz und die Vorschriften bei dieser Krankheit an.
Deshalb sagt er ihm: „Sieh zu, dass du es niemandem sagst, sondern geh hin und zeige dich dem Priester und bringe das Opfer dar, das Mose befohlen hat, ihnen zum Zeugnis.“
Unscheinbare Worte – aber nur auf den ersten Blick.
Ich versuche es einmal zu verbildlichen, was geschehen könnte, wenn dieser Aussätzige anders gehandelt hätte.
Wenn zum Beispiel ich dieser Aussätzige gewesen wäre und Jesus mich geheilt hätte, ohne mich an diese Vorschrift zu erinnern, wäre ich wahrscheinlich direkt schreiend vor Freude, voller Emotionen und hüpfend in die Stadt gelaufen – direkt zu meiner Familie.
Ich hätte reines Chaos veranstaltet. Denn mit zerrissenen Kleidern, ungepflegten Haaren und verhülltem Bart wäre mir meine Heilung auf den ersten Blick gar nicht anzusehen gewesen. Es gäbe Stress mit den Priestern und den Vorgesetzten.
Und auch Jesus hätte ich in ein schlechtes Licht gestellt – als einen, der das Gesetz Moses verachtet.
Doch Jesus selbst hat einmal gesagt, dass er nicht gekommen ist, um das Gesetz aufzulösen, sondern um es zu erfüllen.
Ich glaube nicht, dass Jesus meinte, der Aussätzige sollte niemals erzählen, dass Jesus ihn geheilt hatte. Sondern ich denke, er sollte zuerst zu den Priestern gehen, denn sie hatten die Vollmacht, ihn für rein zu erklären. Sie waren darin unterwiesen, Menschen mit Aussatz zu untersuchen. Dann sollte er das Opfer darbringen, das Mose befohlen hatte.
Das ist für mich wieder so ein Rätsel. Warum?
Warum soll er opfern? Jesus ist doch Gott in Person. Warum soll er dann Gott ein Opfer darbringen?
Aber Jesus sagte zu ihm, er solle opfern – ihnen zum Zeugnis. Den Priestern zum Zeugnis. Zum Zeugnis dafür, dass er gesund war und dass er Gott ehrte.
Das Eintauchen in dieses Heilungswunder Jesu, das nur vier Verse der Bibel einnimmt, versetzt mein Herz in Anbetung und Bewunderung meines Herrn.
Mein Gott ist ein Gott der Ordnung, des Friedens, der Begegnung, der Liebe und der Beziehung.
Er berührt heute noch Herzen.
So wie der Aussatz die Menschen von der Gemeinschaft mit anderen Menschen trennte, so trennt die Sünde den Menschen heute von Gott. Ja, man kann sagen: Die Sünde ist wie ein Aussatz des Herzens.
Trotzdem berührt Gott die Herzen der Menschen und bietet ihnen Heilung an – Heilung von der Sünde, dem Aussatz ihres Herzens, damit sie in Gemeinschaft mit ihrem Schöpfer kommen können.
Er will sie reinigen.
Und dem, der ihn darum bittet, sagt er noch heute: „Ich will; sei gereinigt!“
Diese Reinigung ist so viel mehr als die Wiederherstellung menschlicher Beziehungen und körperlicher Gesundheit.
Sie ist die Wiederherstellung der eigentlichen Bestimmung eines jeden Menschen: die Beziehung zu Gott, der sich Vater derer nennt, die an seinen Sohn Jesus Christus glauben.
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