Trauer

Veröffentlicht am 9. Juli 2026 um 22:50

Trauer hat viele Gründe, Facetten und Gesichter.

 

Wir trauern um verpasste Möglichkeiten, um Entbehrungen der Kindheit, um Freundschaften und verstorbene Haustiere, verlorenen Job oder Gesundheit, um die schwindende Kraft …

 

Vielleicht auch um Dinge, die man nie hatte. Und damit meine ich nicht die Millionen auf dem Konto oder das Haus auf Mallorca. Ich meine zum Beispiel Geborgenheit und Annahme in der Kindheit, Schutz und Sicherheit als Jugendliche, Wertschätzung und Anerkennung als erwachsener Frau. Auch darüber kann und soll man sogar manchmal trauern.

 

Trauer hat Facetten, die man Trauerphasen nennt. Trauer hat Gesichter. Manche sind bitter, andere schmerzverzerrt, wieder andere hoffnungsvoll.

 

Die tiefste Trauer aber ist, wenn ein geliebter Mensch von uns geht.

 

Jeder geht anders mit Trauer um, und das ist in Ordnung. Wenn du denkst, ein Christ müsste immer gefasst auf den Tod geliebter Menschen reagieren, dann hör dir diese Geschichte aus der Bibel an.

 

Jesus weinte um einen toten Freund: Lazarus. Ein Gott, der weint?

 

Er wusste doch, dass er ihn wieder aufwecken kann. Das meinten auch die Leute, die Jesus weinen sahen. Einige sagten: „Er hat doch Blinden die Augen geöffnet; konnte er hier nicht dafür sorgen, dass Lazarus nicht gestorben wäre?“ Andere meinten: „Sieh, wie hat er ihn so lieb!“

 

Wenn ich den Kontext betrachte, sehe ich, dass Jesus eigentlich weniger um Lazarus weinte als um die Menschen, die trauerten.

 

Denn Jesus wusste ja, dass Lazarus tot sein würde, wenn er dort ankommt. Jesus hatte keinen Grund zu weinen, oder? Und er wusste  schon, bevor Lazarus starb, dass er ihn aufwecken würde.

 

Warum weint er dann?

 

Ich glaube, er weint nicht nur aus Mitleid - denn er war Mensch und Gott.

Jesus war bei der Erschaffung der Welt beteiligt. Mehr noch: Die Welt wurde durch ihn erschaffen. Johannes 1,3.

 

Eine Welt, die ohne Sünde und damit ohne Tod war. Eine Welt in grenzenloser, uneingeschränkter Beziehung zwischen dem Schöpfer und seinen Geschöpfen, zwischen Gott und den Menschen. Eine Welt, in der die Menschen ewig leben konnten, denn es gab den Baum des Lebens, von dem sie essen durften. 1. Mose 3,22.

 

Mit der ersten Sünde kam nicht nur die Trennung von Gott, sondern auch der Tod – unser größter Feind.

 

Unser größtes Leid, unser größter Schmerz.

 

Ich glaube, als Jesus weinte, weinte er nicht nur über Lazarus oder die trauernden Menschen. Ich glaube, er weinte über das ganze Ausmaß, über die Sünde, über das Elend und Leid, über den größten Feind der Menschen: den Tod. 1. Korinther 15,26.

 

Doch auch der Tod wird ein Ende haben. Offenbarung 20,14.

 

Ja, am Ende wird auch der Tod besiegt. Aller Trauer wird Gott ein Ende setzen, und er selbst wird alle Tränen seiner Kinder abwischen. Offenbarung 21,4.

 

Wir dürfen weinen, angesichts des Todes, wenn geliebte Menschen gehen, oder wenn wir geliebte Menschen zurücklassen müssen.

 

Wir dürfen weinen, auch wenn wir eine Hoffnung haben. Eine Hoffnung, ewig bei unserem himmlischen Vater zu leben. Nicht nur bei ihm zu leben, sondern mit ihm - in ungetrübter Gemeinschaft, wie sie von Anfang an von ihm gedacht war.

 

Gott tröste dich, wenn du trauerst – worum auch immer. Er kennt und versteht deinen Schmerz. Er hat immer noch ein mitleidendes, mitfühlendes Herz.

 

Gott möge dein Trost sein.

 

Sei gesegnet.

 

Gebet

 

Mein himmlischer Vater,

 

ich danke dir so sehr dafür, dass du in Jesus Mensch geworden bist und auf diese Erde gekommen bist. Vater, dass du selbst in den Riss getreten bist, um uns Menschen zu einer Beziehung zu dir zu führen. Die Beziehung, die wir am Anfang selbst kaputt gemacht haben durch unseren Ungehorsam, durch unser stolzes Herz, wie Gott sein zu wollen.

 

Das war die Versuchung im Garten Eden, und das wollen wir immer noch. Wir wollen sein wie du. Wir sind stolz und rebellisch.

 

Vater, der Tod ist unser größter Feind. Der Tod bringt das meiste Leid, den meisten Schmerz.

 

Jesus, danke, dass du auch geweint hast, als Lazarus gestorben ist. Herr, wir können uns nicht annähernd vorstellen, was in dir vorgegangen ist, als du dort geweint hast über das ganze Ausmaß der Sünde und des Todes.

 

Bitte tröste heute jedes trauernde Herz. Bitte stärke. Bitte schenke Hoffnung.

 

Danke, dass du alle Tränen abwischen wirst, und danke, dass du sie jetzt auch schon abwischst, indem du tröstest und Hoffnung schenkst.

 

Ermutige heute jedes trauernde Herz und lass diese Menschen heute ganz besonders deine Liebe und deine Nähe spüren.

 

In Jesu Namen. Amen.