Ermutigung

Veröffentlicht am 23. Juli 2026 um 21:58

„Und lasst uns aufeinander Acht geben, damit wir uns gegenseitig anspornen zur Liebe und zu guten Werken, indem wir unsere Versammlung nicht verlassen, wie es einige zu tun pflegen, sondern einander ermahnen – und das umso mehr, als ihr den Tag herannahen seht.“ (Hebräer 10,24–25)

Diese Verse fordern uns auf, aufeinander Acht zu geben, uns gegenseitig zur Liebe und zu guten Werken anzuspornen und die Gemeinschaft der Gläubigen nicht zu verlassen, sondern einander zu ermutigen, dabei zu bleiben.

Heute möchte ich ganz praktisch werden, denn diese Verse sprechen direkt in unseren Alltag hinein.

Wir brauchen Gemeinde. Wir brauchen Gemeinschaft. Wir brauchen Verbindlichkeit. Nur in einem solchen Umfeld können wir wirklich aufeinander Acht geben. Wenn wir Gemeinschaft mit anderen Christen pflegen, lernen wir einander kennen. Erst dann können wir uns gegenseitig ermutigen, zu guten Werken und zur Liebe anspornen, aber auch ermahnen.

Dabei ist nicht der erhobene Zeigefinger gemeint. Biblische Ermahnung soll in einer liebevollen Beziehung geschehen – als Korrektur aus Liebe und Fürsorge.

Der Vers sagt auch, dass wir die Versammlung nicht verlassen sollen. Wir brauchen eine Gemeinde, in der wir zu Hause sind.

Nun möchte ich auf das Thema Ermutigung eingehen.

Im Text heißt es, dass wir einander zur Liebe und zu guten Werken anspornen sollen. Anspornen bedeutet, jemanden so zu motivieren oder zu ermutigen, dass er mit neuer Kraft oder größerem Eifer etwas Gutes tut. Jemanden liebevoll voranzubringen.

Kennst du den Unterschied zwischen Lob und Ermutigung? Ermutigung ist sozusagen die Steigerung von Lob.

Hier ein kleines Beispiel, um den Unterschied zwischen Lob und Ermutigung besser zu verstehen.

Stell dir vor, dein Kind hat aus Legosteinen ein wunderschönes Schiff gebaut – richtig aufwendig, mit vielen kleinen Fenstern, einem Deck, einem Ruder und einem Turm.

Wenn du sagst: „Wow, was für ein schönes Schiff! Das hast du toll gebaut!“, dann lobst du das Werk, das dein Kind erschaffen hat.

Wenn du aber sagst: „Wow, wie kreativ du bist! Wie gut du auf die kleinen Details geachtet hast. Du hast wirklich ein Auge dafür. Ich bin gespannt, was du noch alles bauen wirst!“, dann steckt darin viel mehr als Lob – das ist Ermutigung.

Merkst du den Unterschied?

Wenn du das Schiff lobst, richtet sich die Aufmerksamkeit auf das Werk. Wahrscheinlich möchte dein Kind dieses Schiff gar nicht mehr auseinanderbauen. Es kommt ins Regal, und die Legosteine bleiben dort gebunden.

Wenn du aber die Kreativität deines Kindes hervorhebst, ermutigst du es, diese Gabe weiter auszuleben. Es wird das Schiff mit Freude wieder auseinanderbauen und etwas Neues, vielleicht sogar noch Kreativeres erschaffen.

Es wurde nicht zu einem Werk für das Regal motiviert, sondern zu weiteren Werken angespornt.

So ist es auch im geistlichen Leben.

Wenn du zu einer Solosängerin sagst: „Du hast eine wunderschöne Stimme“, freut sie sich bestimmt darüber.

Aber was ist, wenn sie eines Tages ihre Stimme verliert? Dann kann sie diesen Dienst vielleicht nicht mehr ausüben.

Wenn du stattdessen ihren Eifer, ihre Zuverlässigkeit, ihre Pünktlichkeit und ihre verantwortungsvolle Haltung im Dienst hervorhebst, dann ermutigst du sie in Eigenschaften, die bleiben. Selbst wenn sie ihre Stimme verliert, kann sie diese Gaben weiterhin in andere Dienste einbringen.

Das ist der feine, aber entscheidende Unterschied.

Einander zur Liebe und zu guten Werken anzuspornen geschieht in Beziehung. Wenn wir aufeinander Acht geben, lernen wir die Stärken des anderen kennen. Erst dann können wir gezielt ermutigen.

Prüfe dich heute einmal selbst.

Siehst du die Menschen um dich herum wirklich? Achtest du auf sie? Nimmst du ihre Gaben, ihre Fähigkeiten und ihre Stärken wahr?

Dann sprich sie aus.

Wir sind oft so sparsam mit Ermutigung.

Selbst biblische Ermahnung soll letztlich zur Ermutigung dienen.

Bitte Gott um offene Augen für die Menschen, die dir nahe stehen. Höre ihnen zu, lerne sie besser kennen und achte auf die Gaben, Fähigkeiten und Stärken, die Gott ihnen geschenkt hat. Dann kannst du sie ganz gezielt und von Herzen ermutigen.

In 1. Thessalonicher 5,11 heißt es:

„Darum ermahnt einander und erbaut einer den anderen, wie ihr es auch tut.“

Und achte darauf, dass deine Ermutigung ehrlich ist. Sage nichts, was nicht der Wahrheit entspricht. Denn sonst ist es Schmeichelei, und nicht Ermutigung. Echte Ermutigung erkennt die Gaben, Fähigkeiten und Stärken, die Gott einem Menschen tatsächlich geschenkt hat, und spricht sie liebevoll aus. Nur so wird sie als aufrichtig empfunden und kann den anderen wirklich zur Liebe und zu guten Werken anspornen.

Sei gesegnet!

 

Gebet

 

Mein himmlischer Vater,

ich danke dir, dass du uns in deinem Wort so viel Ermutigung geschenkt hast, so viele Anweisungen für ein gelingendes Leben und vor allem das Evangelium von Jesus Christus.

Ich danke dir von ganzem Herzen, dass Jesus für meine Sünden gestorben ist. Ich danke dir, dass du mein Herz erneuert hast und ich dein Kind sein darf.

Vater, hilf mir, eine Ermutigerin für andere zu sein. Hilf mir, nicht nur auf das zu schauen, was Menschen tun, und sie dafür zu loben, sondern sie mit deinen Augen zu sehen – mit einem liebevollen Blick und einem offenen Herzen. Zeige mir, was du in sie hineingelegt hast, damit ich sie darin ermutigen kann.

Lass mich Menschen zu Liebe und guten Werken anspornen. Schenke mir Worte, die aufbauen, Leben schenken und andere dazu ermutigen, dir nachzufolgen und ihre Mitmenschen zu lieben.

Und vergib mir, wo ich andere entmutigt habe, wo ich sie ausgebremst habe oder nicht nach deinem Willen geredet habe. Verändere mein Herz und lehre mich, mit meinen Worten Segen zu bringen.

Danke für deine große Liebe und Gnade.

Amen.