"Ich aber - Gott nahe zu sein ist mein Glück! Ich habe meine Zuflucht beim Herrn, dem HERRN, gesucht. Ich will allen erzählen, was du getan hast." (Psalm 73,28 NGÜ)
Den Psalm 73 hat Asaf geschrieben. Der letzte Vers dieses Psalms lautet:
„Mir aber ist die Nähe Gottes köstlich. Ich habe Gott, den Herrn, zu meiner Zuflucht gemacht, um alle deine Werke zu verkünden.“
Die Übersetzung NGÜ hat den ersten Satz des letzten Verses folgendermaßen heruntergebrochen: „Gott nahe zu sein ist mein Glück.“
Das ist vereinfacht und dennoch präzise auf den Punkt gebracht und auf unseren heutigen Sprachgebrauch, auf das Höchste fokussiert.
Das Wertvollste und Wichtigste, das wir meinen erreichen zu müssen: Glück. Das höchste Ziel, ein unschöpfliches Thema in den Klatschblättern. Was tut der Mensch nicht alles, um Glück zu finden?
Ich frage mich: Was genau wusste Asaf über Gott, um zu behaupten, dass Gott nahe zu sein sein Glück ist?
Wir kennen Jesus, ob persönlich oder aus dem Religionsunterricht, aus der Kirche. Jesus ist gekommen, um uns den Vater zu zeigen.
Jesus sagt in Johannes 14,7: „Wenn ihr mich erkannt habt, so werdet ihr auch meinen Vater erkennen.“
Und in Johannes 14,9 sagt Jesus: „Wer mich gesehen hat, der hat den Vater gesehen.“
Wir glauben, dass Jesus Gott ist. Jesus hat gesagt: „Ich und der Vater sind eins.“ (Johannes 10,30)
Asaf kannte weder Jesus noch hatte er das Neue Testament. Wie also kann er sagen: Gott nahe zu sein ist mein Glück?
Ich finde es sehr spannend, wie Menschen des Alten Testaments an Gott geglaubt haben, den sie aus der Tora kannten. Manche von ihnen auch nur durch Überlieferungen, durch ihre Vorfahren.
Eine häufige Vorstellung vom Glauben im Alten Testament ist doch: Gesetze, Gebote, Regeln, Opfer, Feste, Sabbat und ganz viel Krieg.
Nicht gerade einladend, oder?
Ich lade dich ein, dir deine eigenen Gedanken zu machen, denn viele aus dem Alten Testament hatten eine intensive, sogar freundschaftliche Beziehung zu Gott.
Der Schreiber dieses Psalms zum Beispiel.
Oder David, der Mann nach dem Herzen Gottes, so wie er in der Bibel genannt wird.
Mose, von dem es heißt: „Der HERR aber redete mit Mose von Angesicht zu Angesicht, wie ein Mann mit seinem Freund redet.“ (2. Mose 33,11)
Jakob, den Gott auserwählt hat.
Elia, der einen so starken Glauben hatte, dass er betete und es drei Jahre nicht regnete.
Und Adam, der mit Gott im Garten Eden wandelte.
Ich finde das faszinierend und spannend.
Es bleiben viele Fragen offen, aber Gott wäre nicht Gott, wenn wir Ihn in Seiner Vollkommenheit völlig verstehen würden. Wir sind eben keine Götter.
Ich glaube, dass wir Gott manchmal beleidigen, wenn wir Ihn unbedingt verstehen wollen, dass wir Ihn auf unser Niveau herunterziehen möchten.
Vertrauen! Das ehrt Ihn.
Er weiß sowieso alles. Er ist souverän.
Jetzt, wo ich darüber nachdenke und mein Bleistift wieder nicht hinter meinen Gedanken herkommt, fällt mir etwas ein, was vielleicht ein Stück weit erklären könnte, warum Menschen im Alten Testament an Gott glaubten und Ihm ehrfurchtsvoll dienten.
Die meiste Zeit meines Lebens habe ich an einen Gott geglaubt, der als ein Richter nichts anderes zu tun hätte, als auf jeden meiner Gedanken aufzupassen, jede böse Tat zu sehen und mich zu bestrafen, wenn ich gesündigt habe.
Ich war wiedergeboren, aber man brachte mir bei, in ständiger Angst zu leben, in Angst vor Gott.
Ich war gefangen in einem Netz aus menschengemachten Regeln, die einen so hohen Stellenwert hatten, dass sie quasi über meine Errettung entschieden.
Es war ein vorgefertigtes, manipulatives und missbräuchliches System, das mich klein hielt und mich zerstörte.
Worte wie Gehorsam, Unterordnung, Keuschheit, ja sogar Liebe wurden falsch ausgelegt und dazu verwendet, um mich und andere in einer ständigen Scham und falscher Schuld gefangen zu halten und gefügig zu machen.
Ich gab mir die größte Mühe, denn ich liebte Gott wirklich.
Ich wusste nicht, dass genau dieses missbräuchliche System, dem ich so gehorsam war, mich nicht näher zu Gott brachte, mich nicht heiliger machte, sondern im Gegenteil mich zu einer Menschendienerin machte und weiter von Gott entfernte.
Mein Herz sehnte sich so sehr nach Gott.
Immer wieder weinte ich und betete: „Gott, wie bist Du wirklich? Ich will Dich kennenlernen. Ich glaube nicht, dass Du so bist, wie ich Dich bisher kennengelernt habe.“
Und Gott erhörte diese Gebete.
Ich fing an, stundenlang in der Bibel zu lesen, das Neue Testament, denn ich dachte, im Alten Testament sind doch nur Geschichten.
Aber ich kam immer wieder an Verse im Neuen Testament, die sich auf eine falsche Weise in mein Gehirn eingebrannt hatten.
Gott sei Dank durfte ich dann ein Bibeltraining machen, zwei Jahre begleitet von einem Bibellehrer.
Wir fingen bei 1. Mose an.
Ich kaufte mir eine neue Bibel, eine mit Schreibrand.
Mein Gebet war: „Herr, ich will Dich kennenlernen.“
Mein Bibellehrer brachte uns auf eine sehr unkonventionelle Art und Weise das Wort Gottes nah und weckte besonders mein Interesse daran.
Und ja, ich lernte die Bibel auf eine unkonventionelle Art lesen und verstehen und ich lernte Gott kennen im Alten Testament.
Plötzlich fühlte es sich so an, als könnte ich endlich mit dem Strom schwimmen, in einem Schwarm Gleichgesinnter heilen und sein.
Als ich am 6.11.2023 die letzte Seite des Alten Testaments durchstudiert habe, schrieb ich Folgendes in meine Bibel:
„Heute habe ich das Alte Testament durchgearbeitet. Mein Ziel war, Gott besser kennenzulernen, und so ist es auch gekommen. Ich habe viel von Gottes Wesen gelernt und gestaunt, wie Gott wirklich ist. Ich habe über Seine Liebe zu Israel gestaunt, aber auch zu Israels Feinden, habe Zusammenhänge gefunden und erkannt, habe verstanden, dass Gott souverän ist und alles in der Hand hält und Ihm nichts entgleitet. Habe verstanden, wie sich Gottes Heilsplan vom ersten Kapitel der Bibel durchzieht bis zum Ende, bis auch die letzte Prophetie dieses Buches erfüllt sein wird.
Ich kann sagen, zu meinem Beschämen, dass ich Gott vorher nicht gekannt habe und dass ich erstaunt bin, wie oft ich Jesus im Alten Testament entdeckt habe.
Ich freue mich, das Neue Testament durchzuarbeiten und Gott noch besser kennenzulernen.“
Nun konnte ich Gott, Sein Wirken und Seinen Plan mit uns Menschen im Neuen Testament viel besser verstehen und konnte das Neue Testament mit einem korrigierten Gottesbild gewinnbringend lesen.
Das, was ich erlebt habe, ist für mich ein Schatten einer Vorstellung davon, wieso die Menschen sich nach Gott sehnten, noch bevor sie etwas von Jesus wussten.
Weil sie Gott kennengelernt haben, wie Er ist, durch die Erzählungen, durch die Geschichten und durch ihre eigene Geschichte und die Geschichte ihres Volkes mit Gott.
Ich lade dich ein, dich auf die Suche zu machen nach Gott mit der Frage:
Gott, wie bist Du wirklich?
Mein Glück ist, Gott nahe zu sein.
Gebet
Mein himmlischer Vater, mein Herz sehnt sich nach dir, nach einer Beziehung zu dir. Mein Herz sehnt sich nach Glück. Bei dir allein ist wahres Glück zu finden, und ich danke dir dafür, dass du dich finden lässt. Schenk mir einen Hunger danach, dich besser kennenzulernen. Danke für deine Liebe. Danke, dass du mich zuerst geliebt hast. Danke, dass du dich uns in Jesus gezeigt hast. Amen
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