Ich habe nicht recherchiert, wie oft das Wort Freude in der Bibel vorkommt. Aber ich glaube, allein über Freude könnte man tagelang schreiben anhand der Bibelverse, die alle zur Verfügung stehen.
Ein wunderbarer Vers, der mir dazu einfällt, ist zum Beispiel: „Die Freude am Herrn ist eure Stärke.“ Klingt gut, oder?
Ich habe oft das Problem, dass es sich theoretisch gut anhört, praktisch aber oft sehr schwierig umzusetzen ist.
Der Vers, den ich heute zum Thema Freude ausgewählt habe, steht in Psalm 30,12 und 13. Ich lese aus der Übersetzung Neues Leben:
„Du hast meine Trauer in einen Tanz voller Freude verwandelt. Du hast mir die Trauergewänder ausgezogen und mir Freude geschenkt, damit ich dich preise und nicht schweige. Herr, mein Gott, für immer will ich dir danken.“
David schreibt in diesem Psalm, dass Gott ihn erhört hat, als er zu ihm geschrien hat, und ihn geheilt hat. Gottes Zorn währt einen Augenblick, schreibt David, aber seine Gnade ein Leben lang. Die Nacht ist noch voll Weinen, doch mit dem Morgen kommt die Freude.
Das, was David hier beschreibt, erinnert mich sehr an ein verzweifeltes Herz, an eine Seele, die zwischen Hoffnung und Hoffnungslosigkeit, Freude und Trauer hin und her geworfen wird.
Dieser Psalm kann Menschen, die in einer Depression gefangen sind, Worte geben, um zu beten. Und wenn ich von Depression spreche, meine ich nie schlechte Laune, Traurigkeit oder deprimierte Stimmung. Ich meine das tiefe Tal, den Abgrund, den Ort, an dem es keine Zukunftsperspektive gibt.
Ja, auch Christen, die eine lebendige Hoffnung haben, können in diesem Leben eine abgrundtiefe Hoffnungslosigkeit empfinden.
Ich liebe diese zwei Verse am Ende des 30. Psalms. David kommt wieder zur Hoffnung und zur Freude, und wo einst Trauer war, ist jetzt ein Freudentanz. Keine Trauergewänder mehr. Gott hat ihm Freude geschenkt, damit David ihn preist und nicht schweigt.
Wir haben Grund zur Freude. Oft nur im Hinblick auf Gott, aber wir haben Grund.
Wenn du Gottes Tochter bist, in Beziehung mit Jesus lebst, dann weißt du, dass echte Freude nur in Jesus und in einem Leben mit ihm zu finden ist.
Hört sich theoretisch an, ich weiß. Doch wie ist es praktisch? Oft nicht einfach.
Es ist oft eine bewusste Entscheidung gegen alle Vernunft, sich an dem Herrn zu freuen.
Wie macht man das?
Hast du schon einmal etwas von Lachyoga gehört? Man simuliert Lachen, und das Gehirn reagiert auf die angehobenen Lachmuskeln im Gesicht und andere Muskelspannungen beim Lachen und schüttet Glückshormone aus, als würde man wirklich lachen.
Bei der Freude ist es ähnlich, aber nicht simulativ.
Wenn du dich bewusst für Freude im Herrn entscheidest, kannst du zum Beispiel Folgendes tun, damit diese Freude in deinem Herzen ankommt:
Denke ganz bewusst an das, was er dir Gutes getan hat.
Bete den Psalm 103.
Schreib auf, wofür du dankbar bist.
Denke an deine Bekehrung und danke ihm für die Erlösung.
Denke daran, was du alles in Jesus hast.
Gott nennt sich dein Ehemann (Jesaja 54,5).
Jesus ist dein Bräutigam.
Er ist dir Vater und Mutter, Bruder und Schwester, Freund.
Du bist Erbin des Himmels.
Der Heilige Geist wohnt in dir.
Dein Leib ist der Tempel des Heiligen Geistes.
Gott hört deine Gebete.
Was fällt dir noch alles ein?
So kannst du Freude trainieren.
Wenn du das liest oder hörst, verspürst du Freude? Ist dir bewusst, wie viel Grund zur Freude du hast, trotz all dem Leid, in dem du eben bist? Trotz aller Hoffnungslosigkeit, die dich umgibt? Trotz des Stresses, der Schmerzen?
Leid kann tatsächlich mit Freude Hand in Hand gehen. In Christus ist das Möglich. Weil die Freude, die er gibt, übernatürlich ist. Deshalb kannst du als Tochter Gottes unter den Folgen des Sündenfalls leiden und trotzdem Freude im Herzen haben. Weil deine Hoffnung und dein Glaube nicht an das Sichtbare, sondern an das Unsichtbare gebunden sind.
Ich wünsche dir von ganzem Herzen, dass die Freude über deinen Schöpfer in allem, was dir heute begegnet, überwiegt und dass Gott immer mehr der Grund zur Freude in deinem Herzen wird.
Hab einen gesegneten Tag!
Gebet nach Psalm 30
Herr, mein Gott, ich will dich loben, denn du hast mich gerettet. Zu dir habe ich um Hilfe geschrien, und du hast mich geheilt. Aus dem tiefsten Tal hast du mich herausgeholt und mich nicht sterben lassen. Ich danke dir von Herzen dafür.
Ich will dir singen und deinen heiligen Namen loben. Denn dein Zorn währt nur einen Augenblick, aber deine Güte umgibt mich mein Leben lang.
Und wenn ich nachts weine und mich in den Schlaf weine, dann darf ich darauf vertrauen, dass am Morgen wieder Freude kommt. Wenn ich aufwache, bist du immer noch da. Du hast mich nicht verlassen. Du bist bei mir.
Herr, manchmal geht es mir gut, und dann glaube ich, ich könnte nichts mehr fürchten. Ich fühle mich stark und fest in dir. Doch dann merke ich, wie schnell meine eigene Sicherheit ins Wanken gerät. Wie leicht ich erschrecke und wie sehr ich dich brauche.
Darum will ich nicht auf meine eigene Stärke vertrauen, sondern immer wieder zu dir kommen. Ich darf zu dir rufen, zu dir laufen und dir mein ganzes Leid klagen. Ich darf dir meine Angst, meine Trauer und meine Verzweiflung bringen. Denn du hörst mich. Du bist mir gnädig und hilfst mir.
Herr, du hast meine Trauer in einen Tanz voll Freude verwandelt. Du hast mir die Trauergewänder ausgezogen und mir Freude geschenkt, damit ich dich preise und nicht schweige.
Darum will ich nicht schweigen. Ich will mich daran erinnern, was du getan hast. Ich will dir danken, auch wenn die Nacht noch dunkel ist. Denn ich weiß: Meine Trauer hat nicht das letzte Wort. Du bist mein Gott, meine Hoffnung und meine Freude.
Herr, mein Gott, für immer werde ich dir danken.
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