Der verbotene Apfel

Veröffentlicht am 23. April 2026 um 13:19

Auf dem Bild sieht man Eva, neugierig, wie sie ihre Hand nach einer Frucht ausstreckt. Im Hintergrund beobachtet die Schlange sie voller Schadenfreude, in Erwartung, dass Eva die Frucht pflückt.

 

Wie kommt es dazu, dass Eva dem Verbot, von diesem Baum zu essen, ungehorsam wurde? Gott hatte Adam gesagt: „Von jedem Baum des Gartens darfst du nach Belieben essen; aber von dem Baum der Erkenntnis des Guten und des Bösen sollst du nicht essen; denn an dem Tag, da du davon isst, musst du gewisslich sterben“ (1. Mose 2,16–17). Adam erhielt diese Anordnung, bevor Eva geschaffen wurde. Sie erfuhr also von ihm davon – und doch ließ sie sich auf ein Gedankenspiel ein.

 

Die Schlange flüsterte ihr Lügen zu: Gott habe keine gute Absicht, er wolle ihnen etwas vorenthalten. Wenn sie von der Frucht äßen, würden sie erkennen, was gut und böse ist – wie Gott selbst. So erwachte in Eva die Begierde. Sie sah, dass der Baum begehrenswert war, eine Lust für die Augen und ein Mittel, klug zu werden. Sie streckte die Hand aus, pflückte die Frucht und aß davon. Auch Adam aß. Die Sünde war geboren, und damit kam der Tod – die Trennung von Gott (1. Mose 2–3).

 

Die Redewendung „der verbotene Apfel“ steht im Volksmund für etwas, das man begehrt, aber nicht haben darf oder nicht bekommen kann. Der Reiz des Verbotes erzeugt Lust, genau das zu bekommen. Doch sobald man es erreicht, verliert es oft seinen Reiz.

 

Ein trauriges Beispiel dafür erzählt 2. Samuel 13: Tamar und Amnon, Kinder König Davids. Amnon verliebte sich in seine Halbschwester Tamar und begehrte sie so sehr, dass er krank wurde. Er folgte dem Rat eines Freundes, sich krank zu stellen, um Tamar dazu zu bringen, ihm Essen zu bringen.

 

Tamar gehorchte und bereitete ihm das Essen zu. Doch dann verlangte Amnon, dass sie es ins Schlafzimmer bringt. Als sie ihm das Essen reichen wollte, ergriff er ihre Hand und sagte: „Komm, leg dich zu mir, meine Schwester.“ Tamar bat ihn inständig: „Enthehre mich nicht! So etwas darf in Israel nicht geschehen. Rede doch mit dem König.“

 

Amnon hörte nicht auf sie. Er überwältigte sie und tat ihr Gewalt an. Danach empfand er Abneigung gegen sie, stärker als seine ursprüngliche Begierde. Er wies sie hinaus, verschloss die Tür und zeigte, wie zerstörerisch unkontrollierte Begierde sein kann.

 

Dieses Beispiel zeigt deutlich: Begierde führt zu Sünde – aber wer trägt die Verantwortung? Viele sagen: „Satan hat mich verführt, deshalb habe ich gesündigt.“ Doch das ist nicht die ganze Wahrheit. Satan kann uns zwar versuchen, kennt unsere Schwächen und nutzt jede Gelegenheit – aber die Verantwortung liegt bei uns.

 

Satan weiß nicht, ob wir fallen werden; er ist nicht allwissend wie Gott. Wir sündigen nicht durch äußere Versuchungen allein. Wenn wir nachgeben, ist es unser Herz, das schwach ist. Jakobus schreibt: „Jeder Einzelne wird versucht, wenn er von seiner eigenen Begierde gereizt und gelockt wird. Danach, wenn die Begierde empfangen hat, gebiert sie die Sünde. Die Sünde aber, wenn sie vollendet ist, gebiert den Tod“ (Jakobus 1,14–15).

 

Das gleiche Muster sahen wir bei Eva: Die Sünde wird im Herzen geboren, nicht außerhalb.

 

Ein praktisches Beispiel: Du strebst nach Macht oder Karriere und tust etwas, von dem du weißt, dass es eigentlich nicht erlaubt ist, aber du denkst: „Wenn ich es schaffe, komme ich weiter.“ In dir ist eine Begierde, erwacht, und wenn du ihr nachgibst, gebiert sie die Sünde.

 

Zunächst scheint die Begierde süß – doch sobald sie gestillt ist, wird sie bitter wie Galle. Jakobus gibt die Lösung (4,7–9): „So unterwerft euch nun Gott! Widersteht dem Teufel, so flieht er von euch! Naht euch zu Gott, so naht er sich zu euch! Reinigt die Hände, ihr Sünder, und heiligt eure Herzen, die ihr geteilten Herzens seid! Demütigt euch vor dem Herrn, so wird er euch erhöhen.“

 

Erkennst du das Muster? Wer glaubt, Satan habe so große Macht, dass er einen zum Sündigen zwingt, gibt die Verantwortung ab. Wenn wir aber erkennen, dass die Sünde im eigenen Herzen entsteht, können wir Verantwortung übernehmen, Gott um Vergebung bitten und in der Heiligung wachsen. Wir verstehen mehr über uns selbst, über Gottes Wesen und über den Schaden, den Sünde anrichtet.

 

Jakobus schreibt auch: „Meine Brüder, achtet es für lauter Freude, wenn ihr in mancherlei Anfechtungen geratet, da ihr wisst, dass die Bewährung eures Glaubens standhaftes Ausharren bewirkt. Das standhafte Ausharren soll ein vollkommenes Werk haben, damit ihr vollkommen und vollständig seid und es euch an nichts mangelt“ (1,2–4).

 

Diese Verse machen Hoffnung. Wenn du der Begierde nachgegeben hast und Sünde daraus entstanden ist, hast du einen Mittler: Jesus Christus. Durch ihn wird dir vergeben, und gerade diese Anfechtung kann zur Bewährung deines Glaubens und zum standhaften Ausharren dienen.

 

Du musst da nicht alleine durch. Jakobus 1,5 sagt: „Wenn es jemandem unter euch an Weisheit mangelt, erbitte sie von Gott, der allen gern und ohne Vorwurf gibt; so wird sie ihm gegeben werden. Er bitte aber im Glauben und zweifle nicht; denn wer zweifelt, gleicht einer Meereswoge, die vom Wind getrieben und hin- und hergeworfen wird. Ein solcher Mensch denke nicht, dass er etwas von dem Herrn empfangen wird – ein Mann mit geteiltem Herzen und unbeständig in allen seinen Wegen.“

 

Ich wünsche dir, dass du, wenn du durch Begierden oder Versuchungen in Sünde fällst, nicht resignierst und dich nicht selbst zu hart verurteilst, sondern sofort zu Gott gehst. Möge jeder Fall für dich ein Anlass sein, an deinem Herzen und an deiner Beziehung zu ihm zu arbeiten. Denn je mehr du erkennst, wie sündig du bist, desto mehr erkennst du, dass die Gnade Gottes jedes Mal größer ist als deine Sünde.

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