Heute geht es um die Heilung eines Besessenen im Gebiet der Gadarener.
Diese Geschichte kannst du gerne im Lukas-Evangelium 8,26–39 nachlesen.
Diese Geschichte hat meiner Meinung nach einen besonderen Anfang. Jesus kam mit den Jüngern in das Gebiet der Gadarener, ein Gebiet, das stark von der griechisch-römischen Kultur geprägt war. Dort lebten überwiegend Heiden. Das erkennt man auch daran, dass dort Schweine gehalten wurden.
Dort begegnet Jesus einem Mann mit einem unreinen Geist. Dieser Mann litt schrecklich. Er wohnte in den Gräbern, schrie Tag und Nacht und schlug sich selbst mit Steinen. Immer wieder hatte man versucht, ihn in Ketten zu legen, aber niemand konnte ihn bändigen.
Doch als er Jesus sieht, läuft er auf ihn zu und wirft sich vor ihm nieder. Der unreine Geist erkennt Jesus sofort und nennt ihn den Sohn Gottes.
Jesus fragt den Mann: „Wie heißt du?“ Und der Dämon antwortet: „Legion, denn wir sind viele.“
Wie viele Dämonen in diesem Mann waren, sagt uns die Bibel nicht. Dennoch lesen wir später von einer großen Schweineherde, die sich den Abhang hinunter in den See stürzte.
Die Heilung dieses Besessenen blieb nicht verborgen. Die Hirten der Schweine und andere Menschen bekamen mit, was geschehen war. Die Nachricht verbreitete sich schnell, und die Menschen liefen an den See zusammen.
Dort sahen sie den Mann, von dem die Dämonen ausgefahren waren, friedlich, vernünftig und bekleidet zu Jesu Füßen sitzen.
Eigentlich würde ich an dieser Stelle erwarten, dass die Menschen diese Chance nutzen. Die Chance, dass da einer war, der Dämonen austreiben konnte.
In anderen Fällen haben wir ja gesehen, dass die Menschen alle Kranken und Besessenen zu Jesus brachten und er sie heilte.
Jetzt war Jesus hier, bei den Heiden, zum Greifen nah.
Doch hier passiert genau das Gegenteil. In zweierlei Hinsicht.
Erstens, sie baten ihn alle einmütig, von ihnen wegzugehen. Und zweitens, Jesus sagte zu dem Geheilten: „Kehre zurück in dein Haus und erzähle, was Gott dir Großes getan hat.“
Weißt du noch bei der letzten Geschichte, wo es sich um die Schwiegermutter von Petrus drehte? Da wollten sie ihn festhalten, sie wollten ihn behalten, den Wunderheiler. Und hier schicken sie ihn weg.
Es steht, dass dieser Mann dann auf Jesu Anweisung hin in der ganzen Stadt verkündigte, was Jesus ihm Großes getan hat. Dieser Mann wollte bei Jesus bleiben. Er bat ihn darum.
Scheinbar hatte er Familie, denn Jesus schickt ihn ja in sein Haus.
Welch eine Dankbarkeit und Liebe zu seinem Retter muss diesen Mann so gepackt haben, dass er geheilt lieber mit Jesus gehen würde, statt zurück zu seiner Familie, zu seinem Haus.
Tatsächlich verließ Jesus sofort diesen Ort auf den Wunsch der Menschen und fuhr wieder zurück.
Sie haben Jesu Vollmacht nicht erkannt. Sie schickten den Retter fort. Ihre Kranken blieben krank. Ihre Besessenen blieben besessen.
Was blieb, war die Erinnerung an den geheilten Mann und gleichzeitig der Verlust der 2000 Schweine.
Etwas Wertvolles entstand trotzdem. Etwas wie eine zarte Pflanze, die wuchs und sprosste.
Hier sehen wir nicht den Hype, keine Massenheilung. Dieses Zarte, das hier wuchs, war das Zeugnis des Mannes, der eifrig davon berichtete, dass Jesus ihn geheilt hat.
Vorher, bei den anderen Heilungswundern, sahen wir, dass Jesus Massen heilte, aber den Einzelnen gebot, nicht davon zu erzählen. Denn die Massen, die ihn bedrängten, um geheilt zu werden, behinderten oft seinen Auftrag, das Reich Gottes zu verkündigen.
Aber hier, wo Jesus nur diesen einen heilte, gab er ihm den Auftrag zur Verkündigung.
Bei diesem Wunder ergreift mich eine tiefe Ehrfurcht. Ich sehe Jesus mit dem Mann sitzen und reden, so viel Ruhe und Frieden nach so viel Leid, nach so viel Unruhe.
Die verpasste Chance auf Heilung vieler ist nicht mehr schwerwiegend. Die meisten wären sowieso gegangen, geheilt und glücklich.
Aber hier ist einer, dessen Herz berührt wurde, dessen Geist geheilt wurde, der an Jesus glaubte.
Das ist das eigentliche Wunder dieser Geschichte meiner Meinung nach.
Nicht die Dramatik der Verendung der zweitausend Schweine, nicht die abweisende Haltung des Volkes und auch nicht nur die Heilung des Besessenen, aus dem die Dämonen ausfuhren.
Das eigentliche Wunder dieser Geschichte ist der neue Mensch, der an Jesus geglaubt hat und der den Auftrag zur Verkündigung ausführte.
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