Heilung einer blutflüssigen Frau

Veröffentlicht am 8. Juni 2026 um 22:20

Dieses Heilungswunder berührt uns Frauen ganz besonders. Erstens, weil wir ansatzweise mitfühlen können, blutflüssig zu sein, und zweitens, weil Frauen oft beziehungsorientiert sind und bei diesem Wunder viel auf Beziehungsebene zwischen Jesus und der Frau passiert.

Ich möchte dir die Geschichte aus den drei Evangelien Matthäus, Markus und Lukas erzählen.

Doch zuvor möchte ich erwähnen, dass dieses Heilungswunder in eine andere Geschichte, ein anderes Heilungswunder, eingeflochten ist. Denn Jesus war eigentlich unterwegs, ein kleines Mädchen zu heilen, das in den letzten Zügen lag. Es passte eigentlich gar nicht, dass diese Frau Jesus aufgehalten hatte.

Von der Heilung des kleinen Mädchens erzähle ich das nächste Mal. Heute geht es um diese blutflüssige Frau.

Jesus kam mit dem Schiff nach Kapernaum. Vorher war er im Gebiet der Gadarener,  wo er einen Besessenen geheilt hatte. Die Menschen dieser Gegend baten ihn, dass er von ihnen weggehen solle. So fuhr er wieder zurück nach Kapernaum.

Als er dort am Ufer ankam, empfingen ihn die Menschen freudig, denn sie hatten schon auf ihn gewartet. Sie hatten seine Wunder gesehen. Eines davon war die Heilung der Schwiegermutter des Petrus.

Vom See aus machte Jesus sich auf den Weg zu dem Haus des Synagogenvorstehers, um dessen Tochter zu heilen.

Unterwegs beginnt die Geschichte der blutflüssigen Frau.

In den Heilungswundern, von denen ich zuvor berichtet habe oder von denen ich noch berichten möchte, sehen wir, dass Menschen Jesus um Heilung bitten oder andere für sie bitten. Wir sehen auch, dass Jesus Heilung anbietet.

Aber hier ist es anders.

Hier ist eine Frau in der Menschenmenge, die still leidet. Seit zwölf Jahren hat sie Blutfluss. Sie ruft nicht, sie fragt nicht, und sie schickt auch niemanden zu Jesus, um für sie zu bitten.

Ich möchte darauf eingehen, was es für diese Frau bedeutete, unter dieser Krankheit zu leiden. Nicht nur auf körperlicher Ebene, sondern ganzheitlich. Denn sie lebte unter dem Gesetz Mose, und damals galten für blutflüssige Frauen sehr strenge Regeln.

Dann wirst du sicherlich besser verstehen, warum diese Frau tat, was sie tat, um gesund zu werden.

Je nachdem, wie stark der Blutfluss war, hatte sie eventuell starke Symptome von Anämie, also Blutarmut. Doch zu der Zeit, als diese Frau lebte, erschwerte das Gesetz Mose ihr soziales Leben so sehr, dass diese Krankheit nicht nur ihre Gesundheit, sondern auch ihre Existenz bedrohte.

Für sie und ihre Mitmenschen galt nämlich Folgendes:

Während ihres anhaltenden Blutflusses galt sie als rituell unrein. Alles, worauf sie lag oder saß, galt ebenfalls als unrein. Wenn jemand ihr Bett oder den Sitz berührte, auf dem sie gesessen hatte, wurde diese Person bis zum Abend unrein. Auch wer sie anrührte, wurde nach dem Gesetz unrein. Die betroffene Person musste ihre Kleider waschen und sich baden.

Diese Krankheit schränkte auch bestimmte religiöse Handlungen und den Zugang zum Tempel ein. Sie war also sozial isoliert und vielleicht auch sehr einsam.

Wie sehr sie unter diesem Zustand litt, kann man erahnen, wenn man liest, dass sie all ihr Gut für Ärzte aufgewendet hatte, aber niemand sie heilen konnte. Im Gegenteil, es wurde immer schlimmer (Lukas 8,43).

So befand sie sich nun in dieser sich fortbewegenden Menschenmenge, denn sie hatte gehört, dass Jesus da war. Ich kann mir vorstellen, dass sie sehr darauf bedacht war, bloß niemanden zu berühren.

In dieser großen, tiefen Not greift sie scheinbar nach einem letzten Strohhalm. Nah genug an Jesus herankommen, um wenigstens sein Gewand zu berühren.

Denn sie sagte sich:

„Wenn ich nur sein Gewand berühre, so werde ich geheilt.“

Und so kam sie von hinten heran, berührte Jesu Gewand, und auf der Stelle kam ihr Blutfluss zum Stehen. Sie merkte es an ihrem Körper, dass sie von dieser Krankheit geheilt war. 

An dieser Stelle könnte man fragen: Was brauchte sie mehr?

Sie, die von Scham und Schande geprägt war, war von ihrer Unreinheit geheilt. Ich kann mir vorstellen, dass sie über die Jahre ihrer Krankheit gelernt hatte, nicht aufzufallen und sich unsichtbar zu machen.

Vielleicht war es hier auch so. Denn als Unreine unter eine Menschenmenge zu gehen, war schon mutig, vielleicht sogar fahrlässig.

In dem Moment, als sie Jesus berührte, blieb Jesus stehen.

Er wandte sich um und fragte in die Menge:

„Wer hat mein Gewand angerührt?“

Petrus sagte:

„Meister, die Volksmenge drückt und drängt dich, und du sprichst: Wer hat mich angerührt?“

Jesus aber sagte:

„Es hat mich jemand angerührt, denn ich habe erkannt, wie eine Kraft von mir ausging.“

Als nun die Frau sah, dass sie nicht unbemerkt geblieben war, kam sie zitternd, fiel vor Jesus nieder und erzählte ihm vor dem ganzen Volk, aus welchem Grund sie ihn angerührt hatte und wie sie auf der Stelle gesund geworden war.

Und dann sagt Jesus etwas Wunderbares:

„Sei getrost, meine Tochter, dein Glaube hat dich gerettet; geh hin in Frieden.“

Mein Herz fließt über vor Bewunderung und Liebe zu meinem Herrn. Welch eine Sanftmut, Liebe und welches Mitgefühl hat Jesus mit dieser Frau.

Sie, die eben noch ungesehen bleiben wollte, trat hervor in die Öffentlichkeit. Ja, wir lesen, dass sie zitternd kam. Aber Jesus hat sie angesehen.

Die Kraft, die von Jesus ausgegangen war und sie auf der Stelle spürbar gesund gemacht hatte, die Aufmerksamkeit, die er ihr nun schenkte, und sein beharrliches Fragen nach der Person, die ihn angerührt hatte – all das gab ihr den Mut, hervorzutreten.

Wenn ich mir vorstelle, dass sie nun die volle Aufmerksamkeit hatte, dass das ganze Volk sie anschaute und sie vor all diesen Menschen ihre Geschichte erzählte und den Grund nannte, warum sie Jesus angerührt hatte, dann kann ich mir vorstellen, dass es wirklich viel Mut gekostet hat.

Aber die Bibel sagt, sie sagte ihm die ganze Wahrheit.

Und Jesus hörte ihr zu, obwohl der Synagogenvorsteher neben ihm stand und wartete, dass Jesus endlich weitergeht und seine Tochter rettet, die in den letzten Zügen lag.

Jesus lässt die Frau ausreden und dann sagt er:

„Meine Tochter.“

Er nannte sie Tochter, weil sie an ihn glaubte. Denn aus Glauben hatte sie sich unter die Menschenmenge gemischt. Aus Glauben hatte sie sich zu Jesus durchgekämpft, vielleicht mit einer letzten Hoffnung, geheilt zu werden.

Und dann der Satz: „Geh hin in Frieden.“

Nicht Jesu Gewand heilte diese Frau, sondern Jesus selbst. Im Glauben an ihn berührte sie sein Gewand und wurde gesund.

Diese Frau durfte nach Jahren von Scham und Schande Zeugin sein. Nicht nur, weil sie geheilt war, sondern weil sie vor der großen Menschenmenge Zeugnis gab.

Sie, die vielleicht durch ihr Leid eine stille und zurückgezogene Frau geworden war, bezeugte öffentlich die Kraft Jesu.

Ich möchte dich ermutigen: Wenn du geheilt bist, auf welcher Ebene auch immer – psychisch, körperlich oder geistlich –, dann sei eine Zeugin.

Lass andere Menschen wissen, dass Gott Menschen heilt. Immer noch. Nicht nur ihren Körper, sondern auch ihre Seele und ihren Geist.

Wenn du von deiner Schuld erlöst worden bist, dann lass es andere wissen. Erzähle ihnen, wer du warst und was Jesus aus dir gemacht hat.

Und erzähle es so, dass es zu seiner Verherrlichung dient, dass der Fokus auf der Liebe und der Allmacht unseres Schöpfers liegt.

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