„Herr, ich weiß, dass deine Bestimmungen gerecht sind und dass du mich in Treue gedemütigt hast.“ (Psalm 119,75)
In Psalm 119 geht es um Gottes Gebote, Anweisungen, Zeugnisse, Befehle und sein Wort.
Jeder Vers beschreibt Gottes Wort. Der Psalmist schreibt darüber, wie die Gebote des Herrn ihn weise gemacht haben und das Sinnen über Gottes Zeugnisse ihn verständiger gemacht hat als seine Lehrer.
Einer meiner Lieblingsverse steht auch im Psalm 119: „Ich bewahre dein Wort in meinem Herzen, damit ich nicht gegen dich sündige.“ (Psalm 119,11)
Was bedeutet es für dich, dass Gott treu ist?
Womit verbindest du diese Eigenschaft Gottes?
Dass er seine Zusagen einhält?
Dass er deine Sünden vergibt, immer wieder aufs Neue?
Dass er Gebet erhört?
Dass er das Werk, das er in dir angefangen hat, vollenden wird?
Dass er dich behütet und beschützt?
Dass er dir seinen Geist gegeben hat?
Und noch vieles mehr.
Die meisten von uns denken bei Gottes Treue zuerst an das Gute, an seine Segnungen und an das, was er uns schenken möchte.
Und das ist wahr. Gott ist treu in seinen Verheißungen. Er hält, was er zusagt. Kein Wort fällt zu Boden.
Doch Gottes Treue ist größer als nur seine Gaben.
Gott ist auch treu in seiner Gerechtigkeit. Er kann sich selbst nicht verleugnen. Er bleibt seinem heiligen Wesen treu. Deshalb bleibt Sünde nicht ohne Antwort. Alles, was sich gegen ihn stellt, wird eines Tages offenbar und gerecht beurteilt.
Und doch ist genau das kein Gegensatz zu seiner Liebe, sondern Teil seiner Treue.
Denn Gottes Treue zeigt sich nicht nur im Gericht über das, was ihn ablehnt, sondern auch in seinem Umgang mit denen, die zu ihm gehören.
Wer Christus gehört, steht nicht mehr unter Verdammnis. Die Strafe der Sünde ist getragen durch Jesus selbst. Doch Gott lässt seine Kinder nicht in der Sünde stehen.
Er handelt wie ein Vater. Wenn seine Kinder vom Weg abweichen, sieht er nicht weg. Er führt zurück, er korrigiert, er formt. Seine Zurechtweisung ist kein Zeichen von Verwerfung, sondern von Zugehörigkeit.
So wie ein Vater sein Kind nicht verliert, sondern erzieht, so bleibt Gott uns treu, indem er uns nicht unserer Zerstörung überlässt.
Diese Treue kann sich auch schwer anfühlen. Aber sie ist nie lieblos. Sie ist zielgerichtet. Sie will heilen, reinigen, aufrichten.
Gott wird die Seinen nicht in ihrer Sünde lassen, wenn sie ihn lieben. Er wird sie herausführen, sie heiligen und sie verwandeln.
So wird selbst seine Korrektur zu einem Ausdruck seiner Liebe. Er bleibt sich selbst treu – und er bleibt uns treu, indem er uns nicht so lässt, wie wir sind, sondern uns zu dem formt, was wir in Christus sein sollen.
Der Psalmist, der diesen Vers geschrieben hat, der über so viele Verse hindurch Gottes Wort lobt, preist und erhebt, schreibt, dass Gottes Bestimmungen gerecht sind und dass Gott ihn in Treue gedemütigt hat.
Gott hat ihn nicht willkürlich behandelt. Selbst dort, wo es schwer war, war er nicht fern. Auch im Leid bleibt Gott treu an seinem Wesen, gerecht und heilig und zugleich zugewandt.
Wenn du denkst, das ist ein Spannungsfeld, dann ist das Psalm 119: Gottes Treue in seinen Zusagen, in seiner Gnade, aber auch in seiner Heiligkeit.
Wenn es dich herausfordert, dann darfst du dich neu mit seinem Wesen beschäftigen – nicht nur mit dem, was er tut, sondern mit dem, wer er ist.
Denn du musst Gott nicht vollständig verstehen, um ihm zu vertrauen.
Er ist unveränderlich. Wir sind wechselhaft. Er bleibt derselbe, gestern, heute und in Ewigkeit.
Und genau das gibt Sicherheit.
Die Welt verändert sich. Gedanken verändern sich. Zeiten verändern sich.
Aber Gottes Wort bleibt bestehen.
Und das ist so erstaunlich: dass seine Gebote, seine Zeugnisse, sein Wort und seine Wege seit Jahrtausenden in jede Generation sprechen – klar, weise und tragfähig.
Seine Prinzipien tragen durch jede Zeit hindurch.
Seine Worte sind wahr.
Und seine Treue bleibt.
Gebet
Mein himmlischer Vater,
ich danke dir, dass deine Treue so viel größer ist, als ich es mir vorstellen kann. Mein Herr, ich danke dir dafür, dass ich dir vertrauen darf, dass du treu bist und auch darin treu, dass du mich aus Liebe zurechtweist, wenn ich auf Abwege gerate und mich von dir entferne. In Treue wirst du mich demütigen, in Treue holst du mich zurück.
Vater, das übersteigt meinen Verstand. Du bist gerecht, du bist allmächtig, du bist Liebe. Du bist gnädig, barmherzig und geduldig.
Vater, ich will Treue von dir lernen. Von Jesus lernen. Ich bitte dich, dass du mir Gnade schenkst, in den kleinen Dingen treu zu sein, in den großen sowieso, aber dass ich auch die kleinen Dinge nicht verachte, die du mir anvertraust. Hilf mir, auch bei den kleinen Dingen treu zu sein und mich aus Liebe zu dir und zu meinen Mitmenschen an meine Versprechen zu halten. Hilf mir, verantwortungsvoll mit meinen Mitmenschen und mit den Gaben, Ressourcen und Möglichkeiten umzugehen, die du mir anvertraut hast.
Danke für deine Liebe und für deine Treue. Halte mich nah bei dir und führe mich durch diesen Tag. Lass mich heute immer wieder daran denken, wie wunderbar du bist, und dir für deine Treue danken.
In Jesu Namen.
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