„Und als sie ihn sahen, warfen sie sich anbetend vor ihm nieder; etliche aber zweifelten.“ (Matthäus 28,17)
Dieser Vers steht in einem interessanten Zusammenhang. Nachdem Jesus auferstanden war, traf er sich mit seinen Jüngern in Galiläa auf dem Berg, wohin er sie bestellt hatte. Als die Jünger Jesus sahen, einige zum ersten Mal, warfen sie sich anbetend vor ihm nieder. Alle, auch die Zweifler.
Das finde ich interessant. Sie waren also alle Anbeter, und doch zweifelten manche oder waren zweifelnde Anbeter.
Ich bin so dankbar, dass Matthäus diesen kurzen Satz hinten angehängt hat. Denn diese Haltung spiegelt einfach das menschliche Herz wider, unsere Realität.
Was genau bedeutet Zweifel? Ich habe in meiner Familie nachgefragt und musste feststellen, dass unsere Meinungen etwas auseinandergingen. Deshalb freue ich mich persönlich, mich mit Zweifel zu beschäftigen – natürlich im übertragenen Sinne. Zweifel an sich empfinde ich niemals als Freude.
Zweifel bedeutet, dass man bei etwas unsicher ist und nicht weiß, ob es wahr, richtig oder verlässlich ist. Zweifel ist nicht dasselbe wie Unglaube. Diese Unterscheidung finde ich sehr wichtig.
Unglaube ist Sünde, denn Unglaube sagt: „Das glaube ich nicht.“
Zweifel ist aber fragend: „Ist das wirklich so?“
Thomas ist ein gutes Beispiel. Er wollte Jesus sehen, bevor er glaubte, dass Jesus wirklich auferstanden sei. Trotz seiner Zweifel wandte er sich nicht von Jesus ab, sondern suchte Gewissheit.
In Markus 9 lesen wir von einem Vater, der Jesus bat, seinen Sohn zu heilen. Dieser Vater sagte zu Jesus:
„Ich glaube, Herr; hilf meinem Unglauben!“ (V. 24)
Daran sieht man: Ein Mensch kann gleichzeitig glauben und doch mit Zweifeln kämpfen.
Zweifel ist Unsicherheit. Und wichtig ist, wohin wir mit unseren Zweifeln gehen. Wenn du Zweifel hast, bring sie zu Gott, statt dich von ihm wegzudrehen.
Bei dem heutigen Tagesvers „etliche aber zweifelten“ muss man beachten, dass das griechische Wort, das hier mit „zweifelten“ übersetzt wird, eine Bedeutung hat, die eher mit Schwanken, Zögern oder Unsicherheit zu tun hat und nicht mit grundsätzlichem Unglauben. Vielleicht konnten die Jünger es nicht richtig fassen, dass Jesus wirklich auferstanden war.
Weißt du, was mich in diesem Fall so an Jesus fasziniert? Er tadelt die Zweifler nicht. Er spricht den Zweifel nicht einmal an. Er gibt ihnen allen einen Auftrag, auch den Zweiflern:
„Mir ist gegeben alle Macht im Himmel und auf Erden. So geht nun hin und macht zu Jüngern alle Völker.“
Könnte ein Ungläubiger diesen Auftrag erfüllen? Sicherlich nicht. Aber ein Zweifler schon.
Welche Zweifel hast du?
Manche von uns zweifeln, ob sie wirklich wiedergeboren sind, obwohl sie es eigentlich wissen. Oft liegt es an mangelnder Gewissheit in dem Moment.
Fragst du dich manchmal: War meine Bekehrung echt? Bin ich wirklich ein Kind Gottes oder täusche ich mich vielleicht?
Wenn du eigentlich weißt, dass du Buße getan hast, Jesus als Herrn und Retter vertraust, ihm nachfolgen möchtest und sein Wirken in deinem Leben sehen kannst, dann stell dir einmal die Frage: Warum fällt es mir gerade so schwer, der Zusage Gottes zu vertrauen?
Ich kenne es nur zu gut, dass solche Zweifel manchmal kommen, wenn ich sehr erschöpft und überbelastet bin oder mein Blick zu stark auf mich, meine Kraft und meine Fähigkeiten gerichtet ist statt auf meinen Erlöser.
Es könnten aber auch Anfechtungen sein, wenn wir zweifeln.
Den Vers aus 1. Johannes 5,13 habe ich auswendig gelernt und oft zitiert, wenn ich diese Zweifel an meiner Rettung hatte. Dort steht:
„Dies habe ich euch geschrieben, die ihr glaubt an den Namen des Sohnes Gottes, damit ihr wisst, dass ihr ewiges Leben habt.“
Wissen. Glauben. Haben.
Diese Worte habe ich mir in diesem Bibelvers ganz fett unterstrichen.
Du bist nicht nur so viel gerettet, wie du es fühlst.
Klammere dich in solchen Momenten des Zweifels nicht an das, was du in diesem Moment glaubst oder denkst zu glauben, sondern an das Wort Gottes.
Richte deinen Fokus, deinen Blick auf den Herrn, der gesagt hat, dass niemand dich aus seiner Hand reißen wird.
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