„Und jetzt, Herr, sieh ihre Drohung an und verleihe deinen Knechten, dein Wort mit aller Freimütigkeit zu reden, indem du deine Hand ausstreckst zur Heilung und dass Zeichen und Wunder geschehen durch den Namen deines heiligen Knechtes Jesus.
Und als sie gebetet hatten, erbebte die Stätte, wo sie versammelt waren, und sie wurden alle mit Heiligem Geist erfüllt und redeten das Wort Gottes mit Freimütigkeit.“ (Apostelgeschichte 4,29–31)
Diese Verse stammen aus einer beeindruckenden Geschichte des Neuen Testaments. Jesus war zu dieser Zeit bereits in den Himmel aufgefahren, und die erste Gemeinde hatte sich gebildet.
Wie Jesus es angekündigt hatte, stießen die Christen bald auf Widerstand bei den jüdischen Gelehrten und Vorstehern. Als Petrus im Tempel, in der Halle Salomos, einen Gelähmten heilte, strömte das ganze Volk voller Staunen zusammen. Petrus nutzte die Gelegenheit und verkündigte ihnen Jesus als den Messias.
Daraufhin wurden Petrus und Johannes festgenommen und bis zum nächsten Morgen im Gefängnis festgehalten. Doch viele der Zuhörer kamen zum Glauben, sodass die Zahl der Gläubigen auf etwa fünftausend anwuchs.
Am nächsten Morgen wurden die beiden verhört. Auf die Frage, durch welche Kraft und in welchem Namen sie gehandelt hätten, verkündigte Petrus erneut mutig Jesus.
Die Obersten staunten über die Freimütigkeit der beiden, obwohl sie ungelehrte Männer waren. Gleichzeitig konnten sie das offensichtliche Wunder nicht leugnen. Deshalb drohten sie ihnen ernstlich und verboten ihnen, künftig im Namen Jesu zu reden oder zu lehren.
Doch Petrus und Johannes antworteten:
„Entscheidet selbst, ob es vor Gott recht ist, euch mehr zu gehorchen als Gott. Denn es ist uns unmöglich, nicht von dem zu reden, was wir gesehen und gehört haben.“
Nach weiteren Drohungen wurden sie freigelassen und kehrten zu ihren Glaubensgeschwistern zurück. Dort berichteten sie alles, was geschehen war.
Und nun geschieht etwas sehr Bewegendes.
Als sie alles gehört hatten, beteten alle Christen an diesem Ort einmütig zu Gott.
Stell dir einen Moment vor, du wärst dabei gewesen. Was glaubst du, hätten sie gebetet? Wie würdest du in einer solchen Situation beten?
Vielleicht wären deine ersten Gedanken gewesen: Dankbarkeit für Bewahrung, Bitte um Schutz und um Mut, weiterhin von Jesus zu erzählen.
Vielleicht hättest du dich gefragt, ob es jetzt nicht besser wäre, vorsichtiger zu sein – weniger öffentlich, mehr im Verborgenen.
Doch genau das tun die ersten Christen nicht.
Ihr Gebet ist überraschend. Sie bitten nicht zuerst um Sicherheit, sondern um Freimütigkeit.
„Und jetzt, Herr, sieh ihre Drohung an und gib deinen Knechten, dein Wort mit aller Freimütigkeit zu reden, indem du deine Hand ausstreckst zur Heilung und dass Zeichen und Wunder geschehen durch den Namen deines heiligen Knechtes Jesus.“
Warum können sie so beten?
Warum beten sie so mutig, dass nach ihrem Gebet der Ort erbebt, sie alle mit dem Heiligen Geist erfüllt werden und sie Gottes Wort mit Freimütigkeit verkündigen?
Weil ihr Blick zuerst auf Gott gerichtet ist.
Ihr Gebet beginnt mit den Worten:
„Herr, du bist der Gott, der den Himmel und die Erde und das Meer und alles, was darin ist, gemacht hat.“
Danach erinnern sie sich an Gottes Wort und zitieren die Worte Davids:
„Warum toben die Heiden und ersinnen die Völker Nichtiges? Die Könige der Erde lehnen sich auf, und die Fürsten versammeln sich miteinander gegen den Herrn und seinen Gesalbten.“
Sie erkennen: Genau das ist geschehen. Herodes, Pontius Pilatus, die Heiden und das Volk Israel haben sich gegen Jesus versammelt – und doch nur das ausgeführt, was Gott in seinem Ratschluss zugelassen hatte.
Der Widerstand gegen Christus ist für sie kein Zeichen dafür, dass Gott die Kontrolle verloren hätte. Im Gegenteil: Gott steht über allem und führt seinen Plan aus.
Menschen können drohen, verhaften und einschüchtern – aber sie können Gottes Plan nicht aufhalten.
Darum beten sie ohne Angst.
Sie bitten sogar darum, dass Gott ihr Reden durch Heilungen, Zeichen und Wunder bestätigt – durch den Namen Jesu Christi.
Und Gott erhört dieses Gebet.
Statt sich zurückzuziehen oder vorsichtiger zu werden, bitten sie um noch mehr Freimütigkeit und um Gottes sichtbares Wirken.
Freimütigkeit entsteht nicht dadurch, dass wir besonders mutige Menschen sind. Sie wächst dort, wo unser Blick auf Gott größer wird. Je mehr wir erkennen, wer er ist, desto kleiner werden Menschenfurcht und Bedrohung.
Wenn du für Gottes Reich lebst, wenn du das Evangelium weitergeben möchtest, dann stehst du in Gottes Willen.
Darum darfst auch du solche Gebete beten: um Mut, um Kraft und um Freimütigkeit.
Denn wenn du erkennst, wie groß und allmächtig dein Gott ist, dann ist ein solches Gebet nicht vermessen – sondern Ausdruck von Vertrauen.
Gebet
Mein Herr und mein himmlischer Vater,
ich danke dir so sehr für dieses Vorbild der ersten Christen.
Herr, als sie eingeschüchtert wurden,
haben sie sich nicht versteckt oder zurückgezogen,
sondern sie haben dich um mehr Kraft gebeten –
und um Freimut, dein Wort zu bezeugen.
Sie hatten keine Angst vor Drohungen,
keine Angst vor den Folgen dessen,
was Menschen ihnen antun könnten.
Sie haben in deinem Willen gehandelt
und deshalb vollmächtig um deinen Beistand gebetet.
Mein Jesus,
ich bitte dich, dass du mir Weisheit und Kraft schenkst,
vollmächtig von dir zu reden.
Dass ich mich nicht für dich schäme
und dass ich mehr von dir erwarte als bisher.
Dass ich glaube, dass du mich begleitest
und mir Gelegenheiten schenkst, von dir zu erzählen.
Schenke mir Mut
und schenke mir Situationen, in denen ich es üben kann,
in Freimut von dir zu sprechen.
Danke für deine Liebe.
Begleite mich durch diesen Tag.
Amen.
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