Der verlorene Sohn. Ich habe das Gefühl, dass kaum ein Gleichnis, das Jesus erzählte, so oft auf vielfältige Weise gepredigt, gedichtet, ausgelegt und interpretiert wurde. Tatsächlich gibt es auch viel Spielraum, und jede Ansicht dieses Gleichnisses, die ich gehört habe, war interessant und nicht abwegig.
Jeder deutsche Bürger müsste dieses Sprichwort „der verlorene Sohn“ mindestens einmal in seinem Leben gehört haben. Doch was meint man damit im weltlichen Sprachgebrauch? Man bezieht sich normalerweise darauf, wenn man beschreiben möchte, dass jemand, der lange weg war oder einen falschen Weg gegangen ist, schließlich zurückkehrt. Typische Sätze wären: Der verlorene Sohn ist endlich zurückgekehrt oder nach Jahren meldet sich der verlorene Sohn der Familie zurück und nach vielen Irrwegen kehrte er als verlorener Sohn zurück.
Diese Geschichte des verlorenen Sohnes kannst du in der Bibel im Evangelium nach Lukas 15,11–32 nachlesen.
Ein Sohn fordert sein Erbe, verlässt seinen Vater und verschwendet all sein Geld in einem fremden Land. Etwa zu der Zeit, als sein Geld zur Neige ging, brach eine große Hungersnot in diesem Land aus.
Da er nun hungern musste, fand er Arbeit als Schweinehirte. Schließlich besann er sich und sprach zu sich: Zu Hause haben die Tagelöhner mehr als genug zu essen und ich sterbe hier vor Hunger. Ich will zu meinem Vater gehen, nach Hause und sagen: Vater, ich habe gesündigt gegen den Himmel und auch gegen dich und ich bin es nicht mehr wert, dein Sohn zu heißen. Bitte stell mich als einen deiner Tagelöhner ein.
So ging er zurück. Sein Vater sah ihn von Ferne kommen, lief ihm entgegen, schloss ihn in die Arme und küsste ihn. Sein Sohn sagte ihm, was er sich vorgenommen hatte zu sagen, doch der Vater ging nicht weiter darauf ein. Er ließ ihm die besten Kleider holen, einen Ring für seinen Finger und Sandalen. Ja, er ließ sogar das gemästete Kalb schlachten und sie feierten die Rückkehr dieses Sohnes. Der Vater sagte:"Denn mein Sohn hier war tot und ist ins Leben zurückgekehrt. Er war verloren, aber nun ist er wiedergefunden."
Hier ist die Geschichte noch nicht zu Ende. Du kannst sie gerne selbst ausführlich nachlesen.
Ich möchte nun auf einen Punkt eingehen, der mir besonders wichtig geworden ist in diesem Gleichnis. Es ist die Aussage des Sohnes: "Ich habe gesündigt gegen den Himmel und auch gegen dich."
In Lukas-Evangelium 15,21 steht:
„Vater, ich habe gesündigt gegen den Himmel und vor dir.“
Ist dir bewusst, dass jede Sünde, die du tust, zuerst gegen Gott gerichtet ist? Denn jede Sünde ist Ungehorsam gegen Gott.
Das bedeutet nicht, dass Sünde nur gegen Gott geschieht. Wenn ich Menschen verletze, ihnen schade oder gegen sie handle, dann ist das real und muss auch vor ihnen geklärt werden. Man muss auch Menschen um Vergebung bitten und Dinge in Ordnung bringen. Aber in erster Linie ist jede Sünde gegen Gott gerichtet.
Der König David ist dafür ein Beispiel. Nachdem er Ehebruch begangen hat und Bathseba von ihm schwanger wurde, hat er versucht, die Schuld zu vertuschen. Vor den Menschen ist ihm das scheinbar gelungen, denn er positionierte Bathsebas Mann Uria im Kampf so, dass er getötet wurde. Dann nahm er Bathseba als Frau. Alles geregelt, oder? Der Ruf gerettet und den Ehebruch vertuscht.
Als Gott den Propheten Nathan zu David schickt und dieser ihn mit seiner Sünde konfrontiert, bricht David zusammen. Nicht aus Scham, dass er ertappt wurde, sondern aus echter Reue gegenüber Gott. Seine Antwort an Nathan ist: „Ich habe gegen den HERRN gesündigt.“ (2. Samuel 12,13)
In dieser Zeit schrieb David einen Psalm, den Bußpsalm (Psalm 51). Dort heißt es:
„Gegen dich allein habe ich gesündigt und getan, was in deinen Augen böse ist.“
Er bittet Gott auch:
„Errette mich von Blutschuld, Gott, du Gott meines Heils."
Das, was David und der verlorene Sohn bekommen haben, ist Vergebung und vor allem Wiederherstellung.
Beide haben verstanden, dass ihre Sünde sich zuerst gegen Gott gerichtet hat. Das macht einen gravierenden Unterschied.
Du wirst nur wirklich frei von deiner Schuld, deinem plagenden Gewissen, wenn dir auch von Gott vergeben ist. Dann geschieht eine Wiederherstellung der Beziehung zu deinem Schöpfer, der dich für Beziehung mit sich geschaffen hat.
Wenn du in Beziehung mit Gott lebst und dein Herz vor ihm ehrlich ist, bist du auch angekommen in deiner Bestimmung und Identität.
Das ist kein einmaliger Punkt, sondern ein Weg mit Gott. Auch David war nach Psalm 51 nicht fertig, sondern blieb abhängig von der Gnade.
Nur in der Versöhnung mit Gott dem Vater findet das Herz seinen Frieden.
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