Der Judaskuss bedeutet eine scheinbar freundliche Handlung, hinter der Verrat steht. Ein typischer Satz wäre zum Beispiel: "Sein Lob war nur ein Judaskuss." Die Bedeutung im weltlichen Sprachgebrauch ist gar nicht so abwegig vom biblischen Sinn. Jemand tut freundlich oder freundschaftlich und hat bildlich gesprochen ein Messer hinter dem Rücken.
Verrat von Freunden, Familie und Arbeitskollegen ist sehr schmerzhaft. Es ist nicht einfach nur Verleumdung, Lüge oder Streit. Es ist ein Bruch – in erster Linie ein Vertrauensbruch. Nicht nur Misstrauen, das man wieder geradebiegen könnte, sondern ein Bruch mit schwerwiegenden Folgen. Jemand verliert daraufhin seine Arbeitsstelle, ein Partner oder Freund. Dieses einschneidende Erlebnis kann das ganze Leben auf den Kopf stellen, sodass manch einer danach seinen Job, den Wohnort oder die Gemeinde wechselt.
Die biblische Geschichte dahinter könnte dramatischer nicht sein.
Judas, den Jesus noch wenige Stunden vor dem Verrat Freund nennt, verrät Jesus mit einem Kuss.
Judas, der mit Jesus drei Jahre lang unterwegs war, von ihm lernte, von ihm mit den anderen elf ausgesandt wurde, Wunder zu tun und selbst erlebte, wie Jesus Lazarus von den Toten erweckte. Was brauchte es mehr, um zu glauben, dass Jesus der Messias war?
Johannes schreibt, dass Judas das Geld liebte und manchmal die gemeinsame Kasse der Jünger veruntreute (Johannes 12,6).
Für dreißig Silberlinge (Matthäus 26,14–16) verriet er Jesus und gab den Feinden den Hinweis, wo sie Jesus ergreifen könnten. „Der, den ich küssen werde, der ist’s – den ergreift“, hatte er ihnen zuvor gesagt.
In dem dunklen Garten, in dem Jesus sich in dieser Nacht mit seinen Jüngern aufhielt und die ganze Zeit gebetet hatte, wurde er von Judas verraten, von den Soldaten abgeführt und von allen Jüngern verlassen, weil sie flohen.
Wir lesen, dass Judas auf Jesus zukam und sagte: „Sei gegrüßt, Rabbi“ – und ihn küsste. Freundliche Worte mit böser Absicht.
Und auch hier nennt Jesus ihn noch: Freund. „Freund, wozu bist du hier?“ Judas hatte keine Zeit mehr zu antworten, denn "sie traten herzu, legten Hand an Jesus und nahmen ihn fest."
Dies ist nur ein kleiner Ausschnitt aus dem Leben Jesu. (Matthäus 28)
Und wenn du die ganze Geschichte kennst, weißt du, dass genau mit diesem Kuss zwar Jesu Leiden und Sterben begann, aber auch sein Erlösungswerk.
Der Judaskuss war nicht das Ende Jesu, sondern der Anfang des Erlösungswerkes und des Reiches Gottes, das seitdem nicht äußerlich wie ein politisches Reich sichtbar regiert, sondern in den Herzen derer lebt, die ihm gehören.
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